Bill Gates 1993: Das Internet ist nur ein Hype

1993 sahnt der Blockbuster „Titanic“ von James Cameron elf Oscars ab, und die Deutsche Post führt ihre fünfstelligen Postleitzahlen ein, die von Maskottchen Rolf, einer gelben Hand, eindringlich beworben werden. Die erste Ausgabe des Nachrichten-Magazins Focus liegt in unseren Zeitschriftenläden aus, gleich neben dem Konkurrenz-Heft Spiegel, und Bill Gates, der bekannte Gründer von Microsoft, erklärt seinen Mitarbeitern auf einer Konferenz, dass das Internet nur ein Hype sei. Sie sollten sich besser um Dinge kümmern, die eine größere Relevanz haben…

Heute wissen wir natürlich, dass er sich geirrt hat, auch wenn das Internet in Deutschland kaum schneller zu werden scheint. Es lahmt wie ein alter, müder Ackergaul, sozusagen. Wegzudenken ist es aber dennoch nicht mehr, und seit wir wegen der tödlichen Corona-Pandemie zuhause bleiben sollen, was uns ja lt. Regierung zu den echten Helden unserer Zeit macht (auf der Couch mit Chips und Cola), bestellen wir noch viel mehr bei Amazon & Co. Zudem gewinnt das Home Office nun eine immer größere Bedeutung, und wegen der weit verbreiteten Streaming-Dienste kaufen die Leute kaum noch DVD’s oder BluRays…

In den Augen vieler Verschwörungstheoretiker, hat es Bill Gates ja inzwischen auf die dunkle Seite der Macht verschlagen. Er kaufte mal eben die WHO, will den Menschen Mikrochips einpflanzen lassen, und plant, die Weltbevölkerung zu reduzieren. Womöglich stammt ja auch dieses böse Corona-Virus direkt von ihm. Wer so viele Milliarden auf dem Konto hat, dem ist einfach alles zuzutrauen, oder?

Von seinem damaligen Zitat hingegen will der inzwischen alte Bill, der übrigens aus Seattle stammt, heute sicher nichts mehr wissen, und er war ja auch nicht der einzige, der sich irrte im Bezug auf große und weitreichende Entwicklungen, über die es anfangs so manche Fehleinschätzung gab. So meinte z.B. der berühmte Kraftfahrzeugentwickler Gottlieb Daimler, der eigentlich Däumler hieß, dass es keine all zu große Nachfrage nach Autos geben wird, „schon aus Mangel an Chauffeuren“, und Darryl Zanuck, Chef der Filmgesellschaft 20th Century-Fox, gab 1946 dem Fernsehen keine Chance. Wer will schon allabendlich „in einen Sperrholzkasten schauen“…?

Das Internet jedenfalls bestimmt unser Leben heute dermaßen, das wir regelrecht davon abhängig sind. Die Börsen würden nicht mehr funktionieren, wenn sie offline wären, ebenso die Banken, ja das gesamte Finanzsystem. Sogar unsere Stromversorgung könnte ausfallen, weil die Kraftwerke und Verteilstationen zum Großteil über das Internet gesteuert werden…

1993 sah das alles eben noch ganz anders aus. Helmut Kohl machte keinen Hehl aus seiner Vorliebe für den Pfälzer Saumagen, und Bill Clinton trat in den Staaten seine Präsidentschaft an, während eine gewisse Monica Lewinsky praktisch noch in den Kinderschuhen steckte…