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Die Concorde: Ein Überschalltraum, der zu Ende ging

Die Concorde war das erste Überschall-Passagierflugzeug der Welt. Sie wurde gemeinsam von Großbritannien und Frankreich entwickelt und gebaut wurde, und gilt bis heute als ein Meilenstein in der Luftfahrtgeschichte. Gleichzeitig war sie allerdings auch ein wirtschaftlicher Flop, der nach 27 Jahren Betrieb eingestellt wurde.

Die Idee eines Überschallflugzeugs entstand in den 1950er Jahren, als die Luftfahrtindustrie nach neuen Wegen suchte, um die Reisezeiten zu verkürzen und die Konkurrenz zu überholen. Im Jahr 1954 gründete die britische Royal Aircraft Establishment (RAE) eine Kommission, um das Konzept eines Überschall-Verkehrsflugzeugs (SST) zu untersuchen. Die Kommission lieferte ihren ersten Bericht im Jahr 1955 und schlug vor, ein Flugzeug zu bauen, das mit Mach 2 (doppelter Schallgeschwindigkeit) fliegen und bis zu 100 Passagiere befördern könnte.

Die Franzosen hatten ähnliche Pläne und begannen ebenfalls mit der Entwicklung eines SST-Projekts.

Im Jahr 1962 beschlossen die beiden Länder, ihre Kräfte zu bündeln und ein gemeinsames Flugzeug zu bauen. Sie unterzeichneten einen Vertrag, um die Kosten und Risiken des Programms zu teilen, das auf 70 Millionen Pfund (1,39 Milliarden Euro in 2021) geschätzt wurde¹. Die britische British Aircraft Corporation (BAC) und die französische Sud Aviation (später Aérospatiale) waren für den Rumpf verantwortlich, während die britische Rolls-Royce und die französische SNECMA die Triebwerke entwickelten.

Das Ergebnis war die Concorde, ein technisches Meisterwerk mit einem schmalen Rumpf, einem deltaförmigen Flügel und einer absenkbaren Nase für die Landesicht. Die Concorde wurde von vier Rolls-Royce/Snecma Olympus 593 Turbojets angetrieben, die mit verstellbaren Lufteinlässen und Nachbrennern ausgestattet waren, um den Start und die Beschleunigung auf Überschallgeschwindigkeit zu ermöglichen. Sie war auch das erste Verkehrsflugzeug mit einem analogen Fly-by-Wire-Flugsteuerungssystem. Die Concorde konnte eine Reisegeschwindigkeit von bis zu Mach 2,04 (2.170 km/h) bei einer Flughöhe von 60.000 Fuß (18.300 m) erreichen.

Ihren ersten Flug absolvierte die Concorde am 2. März 1969 in Toulouse, und sie erregte weltweites Aufsehen.

Der Markt wurde für 350 Flugzeuge prognostiziert, und die Hersteller erhielten bis zu 100 Optionen von vielen großen Fluggesellschaften. Am 9. Oktober 1975 erhielt sie ihr französisches Lufttüchtigkeitszeugnis und am 5. Dezember ihr britisches.
Die Concorde nahm am 21. Januar 1976 den weltweit ersten planmäßigen Überschall-Passagierdienst auf, wobei British Airways zunächst von London nach Bahrain flog, und Air France von Paris nach Rio de Janeiro.
Beide Fluggesellschaften nahmen im Mai 1976 einen regelmäßigen Dienst nach Washington Dulles und im November 1977 nach New York JFK auf. Weitere Strecken wurden zeitweise oder saisonal hinzugefügt, und die Concorde kam auch für Charterflüge zum Einsatz mit Zielen auf der ganzen Welt.

Das stolze Überschall-Flugzeug bot seinen Passagieren ein einzigartiges Flugerlebnis, das Luxus, Komfort und Geschwindigkeit verband. Es konnte die Flugzeit zwischen London und New York auf etwa drei Stunden halbieren, und für die Passagiere wurde es zu einem regelmäßigen Erlebnis, den Überschallknall spüren, wenn das Flugzeug die Schallmauer durchbrach, und den Krümmungseffekt der Erde am Horizont sehen.

Die Concorde war auch ein Symbol für Prestige und Innovation, das von Prominenten, Geschäftsleuten und Staatsoberhäuptern genutzt wurde.

Jedoch hatte das moderne Flugzeug auch mit vielen Herausforderungen und Problemen zu kämpfen. Seine Entwicklungskosten stiegen auf 1,5-2,1 Milliarden Pfund im Jahr 1976 (9-13,2 Milliarden Euro in 2021), die Lautstärke wurde zum Thema und der bei jedem Flug erzeugte Überschallknall war über Land verboten.

Die Concorde war am Ende nicht wirtschaftlich. Sie hatte einen hohen Treibstoffverbrauch und hohe Betriebskosten. Auch Umwelteinflüsse wie Vogelschlag, Blitzschlag oder Reifenpatzer bereiteten ihr besondere Probleme. Sie war nie finanziell rentabel und wurde nur von Air France und British Airways betrieben, die jeweils sieben Flugzeuge erhielten.

Ihren schwersten Rückschlag erlebte die Concorde am 25. Juli 2000, als der Air-France-Flug 4590 kurz nach dem Start vom Flughafen Paris-Charles de Gaulle abstürzte. Dabei kamen alle 109 Insassen und vier Personen am Boden ums Leben. Es war der einzige tödliche Unfall mit einer Concorde. Er wurde durch einen Reifenplatzer verursacht, der einen Kraftstofftank beschädigte und ein Feuer auslöste.
Das Prestige-Flugzeug wurde daraufhin vorübergehend aus dem Verkehr gezogen und mit Sicherheitsverbesserungen ausgestattet. Knapp eineinhalb Jahre später, im November 2001 wurde der kommerzielle Betrieb dann wieder aufgenommen.

Jedoch konnte sich die Concorde nicht mehr von dem Imageverlust erholen und litt unter der sinkenden Nachfrage nach dem 11. September 2001. Schließlich wurde sie im jahr 2003 von beiden Fluggesellschaften stillgelegt.

Der letzte kommerzielle Flug fand am 24. Oktober statt, und der letzte Flug überhaupt am 26. November, als eine Concorde nach Filton in Bristol flog, wo sie ausgestellt wurde.

Von den 20 gebauten Concordes gingen nur 14 in den Dienst ein.
Die meisten Concordes sind heute in Museen in Europa und Amerika zu sehen.

Die Concorde war ein legendäres Flugzeug, das die Grenzen der Technik und des Designs verschob. Sie war ein Traum für viele Menschen, die mit ihr fliegen wollten oder konnten, aber gleichzeitig auch ein Alptraum für viele andere, die unter ihrem Lärm oder ihrer Umweltverschmutzung litten.
Die Concorde war ein Wunderwerk der Luftfahrtgeschichte, und ein wirtschaftlicher Misserfolg, der seine Zeit nicht überdauerte.