Im Schatten der Aktenberge: Donald Trumps Kampf um seine Reinwaschung
Der Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trump gleicht einem gewaltigen politischen Gewitter, das sich über der Hauptstadt Washington entlädt. Während der Präsident mit einer Serie von Dekreten versucht, den Staatsapparat umzubauen und die US-Außenpolitik radikal neu zu ordnen, holt ihn die eigene Vergangenheit in einer Intensität ein, die selbst für seine Verhältnisse außergewöhnlich ist. Im Zentrum des Sturms steht die finale Veröffentlichung der lang erwarteten „Epstein-Files“ – Millionen von Seiten aus den Archiven des Justizministeriums, die endlich Licht in das dunkelste Kapitel der New Yorker und Floridianischen High Society bringen sollen.
Das Ende einer langen Untersuchung
Mit der Veröffentlichung von rund 3,5 Millionen Seiten an Ermittlungsunterlagen hat das US-Justizministerium in einer spektakulären Aktion versucht, einen Schlussstrich unter den Fall Jeffrey Epstein zu ziehen. Für das Weiße Haus ist die Sache klar: Die Dokumente seien der endgültige Beweis dafür, dass Donald Trump niemals in die kriminellen Machenschaften des verstorbenen Multimillionärs verwickelt war. In den sozialen Medien und in offiziellen Statements feiert sich der Präsident als Opfer einer jahrelangen „Hexenjagd“, die nun durch die eigenen Akten der Bundesbehörden als haltlos entlarvt worden sei. Sein Anwaltsteam betont gebetsmühlenartig, dass selbst private Notizen und FBI-Hinweise, die über Jahrzehnte gesammelt wurden, kein strafbares Fehlverhalten belegen konnten.
Der Vorwurf der Salami-Taktik
Doch trotz der offiziellen Entlastung bleibt der schale Beigeschmack einer jahrzehntelangen Nähe bestehen, die die US-Medien weiterhin detailliert sezieren. Während das Weiße Haus den Fall zu den Akten legen will, formiert sich auf dem Capitol Hill massiver Widerstand. Die Demokraten im Kongress werfen der Administration vor, eine gezielte Nebelkerze gezündet zu haben. Ihr Hauptargument: Von den ursprünglich geschätzten sechs Millionen Dokumenten ist bisher nur etwas mehr als die Hälfte an die Öffentlichkeit gelangt. Führende Oppositionspolitiker wie Jamie Raskin sprechen von einer „Salami-Taktik“ und einer „orchestrierten Vertuschung“, bei der belastendes Material möglicherweise unter Verschluss bleibt oder hinter massiven Schwärzungen verschwindet. Besonders die Tatsache, dass die Untersuchung ausgerechnet jetzt für beendet erklärt wurde, während der Kongress noch mit der Sichtung des Materials beschäftigt ist, sorgt für Zündstoff.
Der Lackmustest für die Rechtsstaatlichkeit
Die internationale Presse blickt mit einer Mischung aus Skepsis und Besorgnis auf die Vorgänge in Washington. Europäische Zeitungen wie die spanische El Mundo bezeichnen den Fall als „Lackmustest für die ethische Verantwortung im Jahr 2026“. In Großbritannien wächst der Druck auf das Königshaus, da die Akten neue, belastende Details über Prince Andrew enthalten, während Premier Keir Starmer fordert, dass alle Beteiligten vor dem US-Kongress aussagen müssen. Auch in Asien und dem Nahen Osten wird die Nachricht intensiv kommentiert: Während russische Staatsmedien die Affäre nutzen, um die moralische Integrität des Westens anzugreifen, fordern Medien in Israel und Vietnam Aufklärung über die globalen Netzwerke, die Epstein über Jahrzehnte hinweg schützen konnten. International wird die Frage gestellt, ob ein amtierender Präsident überhaupt objektiv über Ermittlungen entscheiden kann, die ihn selbst und sein Umfeld betreffen.
Ein gespaltenes Urteil
Die Debatte um Schuld und Unschuld hat sich längst von der juristischen auf die rein politische Ebene verschoben. Für Trumps Anhänger ist die Veröffentlichung der endgültige Sieg über ein „korruptes System“. Für seine Kritiker hingegen bleibt die plötzliche Einstellung der Ermittlungen unter einer Trump-treuen Justizministerin ein Alarmzeichen für die Gefährdung der Gewaltenteilung. Inmitten dieses Tauziehens stehen die Opfer, deren Privatsphäre durch Pannen bei der Aktenveröffentlichung teilweise verletzt wurde. Sie fordern weiterhin, dass nicht nur Papierstapel produziert werden, sondern die Drahtzieher im Hintergrund des Epstein-Netzwerks endlich zur Rechenschaft gezogen werden – ungeachtet ihrer politischen Verbindungen und nationalen Grenzen.
