Zwischen Deal und Abschreckung – Lässt Trump Taiwan fallen?
Die Frage, ob Donald Trump Taiwan im Zweifel China überlassen würde, ist keine theoretische mehr. Sie berührt einen der sensibelsten geopolitischen Konflikte unserer Zeit und wird seit Monaten wieder intensiver diskutiert – nicht zuletzt wegen Trumps eigener Aussagen. Ein genauer Blick zeigt: Ein klares „Ja“ oder „Nein“ gibt es nicht. Stattdessen zeichnet sich ein Muster ab, das gleichermaßen beunruhigt wie kalkuliert wirkt.
Trump hat wiederholt betont, dass ein Angriff auf Taiwan letztlich eine Entscheidung von Xi Jinping sei. Diese Formulierung hat international für Stirnrunzeln gesorgt, weil sie Verantwortung von den USA wegzuschieben scheint. Gleichzeitig sagte Trump, er glaube nicht, dass China Taiwan während seiner Amtszeit angreifen würde. Das ist keine Sicherheitsgarantie, sondern eher eine persönliche Einschätzung – und genau darin liegt die Unsicherheit. Außenpolitisch bedeutet das: Abschreckung durch Unberechenbarkeit, nicht durch klare Zusagen.
Formell hat Trump Taiwan nie aufgegeben. Im Gegenteil: Während seiner Präsidentschaft wurden mehrere Gesetze unterzeichnet, die den politischen und militärischen Kontakt zwischen den USA und Taiwan vertieften. Auch umfangreiche Waffenlieferungen wurden genehmigt. Auf dem Papier wirkt das wie Rückendeckung. Doch Trumps politische Logik folgt selten klassischen Bündnismustern. Für ihn sind internationale Beziehungen vor allem Verhandlungssache – und damit potenziell verhandelbar.
Genau hier setzt die Sorge vieler Analysten an. Trump betrachtet Taiwan weniger als Wertgemeinschaft denn als strategischen Faktor im Machtspiel mit Volksrepublik China. In seinen Äußerungen schwingt immer wieder mit, dass Taiwan mehr für seine eigene Verteidigung leisten müsse. Das ist nicht neu, klingt aber unter Trump weniger nach Partnerschaft und mehr nach Bedingung: Schutz gegen Gegenleistung. Die Angst lautet, dass Taiwan im Rahmen größerer Deals – etwa im Handelskonflikt mit China – zur Verhandlungsmasse werden könnte.
Dabei bleibt die berühmte „strategische Mehrdeutigkeit“ der USA formal bestehen. Washington sagt weiterhin nicht eindeutig, ob es Taiwan im Ernstfall militärisch verteidigen würde. Doch unter Trump verschiebt sich der Ton. Wo frühere Regierungen bewusst Stabilität und Verlässlichkeit signalisierten, setzt Trump auf persönliche Stärke, Abschreckung durch Image und die Hoffnung, dass sein Gegenüber keinen Konflikt riskiert. Das kann funktionieren – oder katastrophal scheitern.
In Peking wird diese Haltung genau analysiert. Chinas Führung testet regelmäßig die Grenzen, mit Militärmanövern, rhetorischen Drohungen und diplomischem Druck. Trumps Aussagen liefern dabei kein grünes Licht, aber auch kein klares Stoppsignal. Für Taiwan selbst ist das die schwierigste Position: offiziell unterstützt, faktisch aber nie sicher, wie belastbar diese Unterstützung im Ernstfall wäre.
Am Ende lässt sich sagen: Trump überlässt Taiwan nicht offen China. Doch er bindet den Schutz Taiwans stärker an Machtkalkül, Deals und persönliche Einschätzungen als an feste Zusagen. Für ein kleines demokratisches Land, das direkt vor der Haustür eines autoritären Großmachtanspruchs liegt, ist das eine heikle Ausgangslage. Die eigentliche Spannung entsteht genau dort, wo Klarheit fehlen soll – und wo Unklarheit plötzlich selbst zum Risiko wird.
