Politisch motivierte Kriminalität in Deutschland – rechte und linke Gewalt im Vergleich

Politisch motivierte Kriminalität in Deutschland – rechte und linke Gewalt im Vergleich

Die Auseinandersetzung mit Extremismus gehört längst zum Alltag der Sicherheitsbehörden. Deutschland erlebt seit Jahren eine stabile, teils wachsende Zahl politisch motivierter Straftaten, deren Bandbreite von Online-Hetze bis zu körperlicher Gewalt reicht. Auch wenn sich die politische Ausrichtung der Täter unterscheidet, eint sie ein gemeinsames Ziel: die demokratische Ordnung zu beschädigen und Vertrauen in Institutionen zu untergraben.

Rechtsextremismus als größte Bedrohung

Nach Angaben des Bundeskriminalamts wurden im Jahr 2023 knapp 29.000 Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund registriert, im folgenden Jahr stieg die Zahl laut Verfassungsschutz auf fast 38.000. Rund 1.300 davon waren Gewaltdelikte, mehr als 900 richteten sich gezielt gegen Menschen ausländischer Herkunft oder mit anderer Religion. Die Zahlen verdeutlichen, dass die rechte Szene in Deutschland nach wie vor die aktivste und gefährlichste extremistische Bewegung ist.

Rechtsextreme Kriminalität äußert sich in vielfältiger Form. Neben Propagandadelikten, etwa der Verwendung nationalsozialistischer Symbole, treten zunehmend Gewalttaten gegen Minderheiten und Politiker auf. Auch im digitalen Raum sind rechtsextreme Akteure stark präsent: Hasspostings und digitale Hetzkampagnen gehören längst zum festen Repertoire. Die Sicherheitsbehörden sehen darin ein besonderes Risiko, weil sich aus virtuellen Feindbildern reale Gewalttaten entwickeln können.

Linksextremismus und die Gewalt gegen den Staat

Im linksextremen Spektrum ist die Entwicklung weniger eindeutig. Die Zahl der Straftaten nahm 2024 auf rund 5.800 zu, was einem deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr entspricht. Gleichzeitig sank die Zahl der Gewalttaten leicht, blieb mit etwas über 500 Fällen aber hoch. Diese Taten richten sich meist gegen Sachen, nicht gegen Personen – etwa bei Brandanschlägen auf Fahrzeuge, bei Angriffen auf Parteibüros oder bei Krawallen im Zusammenhang mit Demonstrationen.

Die Motivation folgt einem klaren Muster: Der Staat, seine Polizei und seine Institutionen gelten als Gegner eines Systems, das als repressiv empfunden wird. Gewalt wird dabei häufig als legitimes Mittel des Widerstands betrachtet. Auch wenn linksextreme Gewalt seltener Menschenleben bedroht als rechtsextreme, stellt sie für die öffentliche Ordnung und den gesellschaftlichen Frieden eine erhebliche Belastung dar.

Unterschiedliche Ideologien, gemeinsames Problem

Rechtsextreme wollen die Gesellschaft spalten und den Staat nach völkischen oder autoritären Vorstellungen umbauen. Linksextreme hingegen lehnen den Staat als Ganzes ab und streben eine grundlegende Umwälzung des politischen und wirtschaftlichen Systems an. In beiden Fällen steht am Ende die Ablehnung demokratischer Grundprinzipien – ob aus nationalistischen oder antikapitalistischen Motiven.

Diese Polarisierung spiegelt sich zunehmend auch im Alltag wider. Beleidigungen, Bedrohungen und Übergriffe auf Amtsträger, Journalisten oder Aktivisten nehmen zu. Damit verschwimmt die Grenze zwischen radikalem Protest und offenem Extremismus. Die Gefahr liegt nicht allein in den spektakulären Gewalttaten, sondern auch in der langsamen Gewöhnung an politische Feindbilder und aggressive Sprache.

Eine wehrhafte Demokratie

Die deutschen Sicherheitsbehörden betonen immer wieder, dass der Rechtsextremismus aktuell die größte Gefahr darstellt, zugleich aber auch der Linksextremismus kontinuierlich Aufmerksamkeit verlangt. Beide Strömungen gefährden die demokratische Kultur, wenn sie sich verfestigen und in Gewalt münden. Prävention, Bildung und eine klare Haltung gegen jede Form politischer Gewalt bleiben daher entscheidend.

Demokratie muss nicht nur beschützt, sondern auch gelebt werden. Dazu gehört der Mut, Widerspruch auszuhalten – aber auch die Entschlossenheit, Extremismus gleich welcher Richtung entgegenzutreten. Denn egal ob von rechts oder links: Immer wenn politische Überzeugung in Hass umschlägt, verliert die Demokratie ein Stück ihrer Substanz.

Mark Petersen