Die CO₂-Abgabe und die wachsende Unzufriedenheit

Die CO₂-Abgabe und die wachsende Unzufriedenheit

Die CO₂-Abgabe ist als klimapolitisches Lenkungsinstrument gedacht: Fossile Energieträger sollen schrittweise teurer werden, damit sich klimafreundliche Alternativen langfristig durchsetzen. In der Theorie klingt das plausibel. In der Lebensrealität vieler Bürger erzeugt diese Politik jedoch wachsenden Frust – nicht, weil Klimaschutz grundsätzlich abgelehnt würde, sondern weil die Voraussetzungen für einen fairen Wandel oft fehlen.

Alltag zwischen Autoabhängigkeit und alten Heizungen

Besonders deutlich zeigt sich das auf dem Land. Dort ist das Auto für viele Menschen keine Komfortentscheidung, sondern eine Notwendigkeit. Arbeitsweg, Arztbesuch, Einkaufen – ohne Auto geht es schlicht nicht. Steigende Spritpreise treffen diese Haushalte daher unmittelbar und dauerhaft. Gleichzeitig fehlt es vielerorts an einem funktionierenden öffentlichen Nahverkehr, der eine echte Alternative darstellen würde.

Ähnlich ist die Situation beim Heizen. Millionen Gebäude werden noch mit Öl oder Gas beheizt, oft weil sie alt sind, schlecht gedämmt oder weil Eigentümer die finanziellen Mittel für eine Sanierung nicht aufbringen können. Für diese Haushalte bedeutet die CO₂-Abgabe keine Lenkung, sondern eine Belastung, der sie kaum ausweichen können. Wer nicht investieren kann, zahlt – Jahr für Jahr mehr.

Politischer Spielraum statt Sachzwang

Entgegen mancher Darstellung ist die CO₂-Abgabe kein unverrückbares Naturgesetz. Sie ist eine politische Maßnahme und damit grundsätzlich veränderbar. Die Regierung könnte sie bremsen, aussetzen oder sozial abfedern, wenn der politische Wille dafür vorhanden ist. Technisch und rechtlich wäre das möglich, denn die Abgabe ist national gestaltet und nicht automatisch festgeschrieben.

Die Zurückhaltung erklärt sich weniger aus fehlenden Optionen als aus einem Zielkonflikt. Klimapolitisch soll der Preis steigen, sozialpolitisch erzeugt genau das wachsende Spannungen. Dieser Konflikt wird bislang eher verwaltet als gelöst. Statt zuerst Alternativen flächendeckend verfügbar zu machen, wird vielerorts verteuert und auf spätere Ausgleichsmechanismen verwiesen.

Vertrauen entsteht durch Fairness, nicht durch Appelle

Viele Bürger erleben die CO₂-Abgabe deshalb nicht als Anreiz, sondern als Signal der Ungleichbehandlung. Wer finanziell gut aufgestellt ist, kann investieren, umrüsten und langfristig profitieren. Wer wenig Spielraum hat, zahlt drauf – ohne realistische Ausweichmöglichkeiten. Genau hier entsteht das Gefühl, dass Klimaschutz „von oben“ verordnet wird, während die Lasten unten hängen bleiben.

Politisch ließe sich dieser Eindruck entschärfen, etwa durch eine spürbare Rückgabe der Einnahmen oder durch eine langsamere Gangart, bis Infrastruktur und Förderungen tatsächlich greifen. Solange jedoch Kosten steigen, bevor Alternativen erreichbar sind, bleibt die CO₂-Abgabe ein Reizthema – und ein Beispiel dafür, wie gut gemeinte Politik an Akzeptanz verliert, wenn soziale Realität nicht ausreichend mitgedacht wird.

Mark Petersen