Warum Grönland für Trump zur politischen Falle werden würde
Die Idee klang zunächst wie eine Provokation, dann wie ein kalkulierter Tabubruch: Die Vereinigten Staaten könnten Grönland übernehmen. Was als machtpolitische Geste verkauft wurde, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung jedoch als Projekt mit erheblichen Risiken. Selbst aus einer strikt interessengeleiteten Perspektive gäbe es für Donald Trump mehr Gründe, die Finger davon zu lassen, als sich darauf einzulassen.
Ein Deal gegen die Realität
Grönland ist kein herrenloses Territorium, sondern ein autonomes Gebiet innerhalb des Königreichs Dänemark. Jede Veränderung seines Status würde zwingend die Zustimmung Kopenhagens und der grönländischen Bevölkerung erfordern. Beides gilt als kaum vorstellbar. Ein Vorgehen, das diese Realitäten ignoriert, würde nicht nur scheitern, sondern die USA in offenen Gegensatz zu grundlegenden Prinzipien des Selbstbestimmungsrechts bringen.
Ein Affront gegen Verbündete
Besonders heikel wäre die Wirkung auf das transatlantische Verhältnis. Dänemark ist ein verlässlicher Partner innerhalb der NATO. Der Versuch, einem Bündnispartner faktisch Territorium abzukaufen oder ihn politisch unter Druck zu setzen, würde Vertrauen zerstören und Zweifel an der Verlässlichkeit der USA nähren. In einer Phase globaler Unsicherheit wäre das ein strategischer Eigentorversuch.
Hohe Kosten, unklarer Nutzen
Ein amerikanisches Grönland wäre kein geopolitisches Schnäppchen. Die Verantwortung für Infrastruktur, soziale Systeme, Verwaltung und Klimaanpassung in einer extremen Umwelt würde Milliarden verschlingen. Der unmittelbare Mehrwert für die USA bliebe hingegen begrenzt, da Washington militärisch und strategisch bereits präsent ist. Der Kosten-Nutzen-Faktor fiele damit ernüchternd aus – insbesondere gegenüber der eigenen Wählerschaft.
Ein gefährliches Signal an die Welt
Noch gravierender wäre die internationale Signalwirkung. Ein territorialer Erwerb im 21. Jahrhundert würde weltweit als Rückkehr zu Großmachtlogik gelesen. Andere Staaten könnten sich darauf berufen, eigene Gebietsansprüche aggressiver zu formulieren. Die USA würden damit ihre Rolle als Verfechter einer regelbasierten Ordnung unterminieren und unfreiwillig Argumente für Rivalen liefern.
Kooperation statt Eskalation
Nicht zuletzt zeigt der Blick auf die Praxis, dass ein formeller Besitz kaum zusätzliche Vorteile brächte. Die USA verfolgen ihre arktischen Interessen bereits über bestehende Abkommen und multilaterale Foren wie den Arctic Council. Diese Instrumente erlauben Einfluss, ohne diplomatische Brüche zu riskieren oder internationale Normen infrage zu stellen.
Am Ende würde ein Griff nach Grönland weniger Stärke demonstrieren als politische Kurzsichtigkeit. Er würde Verbündete verprellen, enorme Kosten verursachen und globale Spannungen verschärfen – bei überschaubarem Gewinn. Genau deshalb wäre Grönland für Trump nicht der große Coup, sondern eine Falle mit Ansage.
