Brücke über den Atlantik ohne Hilfe von Ausserirdischen möglich?

In der letzten Ausgabe von „Total Aktuell“ ging es um eine Brücke, die Bremerhaven mit New York verbinden und einmal quer über den Atlantik führen soll. Recht schnell stellte sich heraus, dass bei diesem Projekt auch Außerirdische ihre Finger im Spiel haben.

Doch könnte die Menschheit ein solches Bauwerk heutzutage auch ohne fremde Hilfe von anderen Planeten errichten? Sebastian Schwindler lässt sich darüber von einem Experten aufklären, der ihm einen kleinen Besuch in seinem Büro abstattet. Und diesmal handelt es sich ausnahmsweise nicht um Professor Doktor Lichterglanz.

Stattdessen steht Robert Rollersturz aus Rotenburg vor ihm, der mit seinem E-Roller angereist ist. In seiner jüngsten Doktorarbeit hat er sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Und Rollersturz macht Schwindler zunächst einmal klar, vor welchen gewaltigen Problemen die Erbauer einer solchen Brücke stehen würden.

„Große Teile des Nordatlantiks sind mehrere Kilometer tief. Im Durchschnitt sind es rund 3.700 Meter, in vielen Gebieten sogar 4.000 bis 5.000 Meter. Klassische Brückenpfeiler kann man bei solchen Tiefen praktisch vergessen.“

Bei diesen Dimensionen wird Schwindler fast ein wenig schwindelig. Er schaut seinen Besucher erstaunt an und fragt: „Könnte man nicht einfach auf die Pfeiler verzichten und eine schwimmende Brücke bauen? Ich stelle mir da einzelne schwimmende Segmente vor, die miteinander verbunden sind.“

Rollersturz räuspert sich. „Die müssten allerdings gigantisch sein und mit Verankerungen tief im Meeresboden in Position gehalten werden. Außerdem dürfte die Fahrbahn nicht vollkommen starr sein. Die einzelnen Abschnitte müssten sich bei Wellen, Wind und Temperaturschwankungen ein Stück gegeneinander bewegen können.“

Doch damit wäre das Problem noch lange nicht gelöst. Rollersturz fährt fort: „Da wäre schließlich noch der Nordatlantik selbst. Orkane, gewaltige Wellen, Salzwasser, Vereisung, Korrosion und der Schiffsverkehr würden einer 6.000 Kilometer langen Brücke ständig zusetzen. Hinzu kommt die Materialermüdung. Eine einzige starre Konstruktion über diese Entfernung wäre kaum vorstellbar. Man müsste die Brücke wahrscheinlich aus Tausenden weitgehend eigenständigen Modulen zusammensetzen.“

Schwindler überlegt nun laut, wie lange man auf einer solchen Brücke eigentlich unterwegs wäre – mit dem Auto oder sogar mit dem Fahrrad.

Daraufhin holt Rollersturz ein Playmobilauto und einen Playmobil-Fahrradfahrer aus seiner Herrenhandtasche.

Mittlerweile sitzen beide in der Kantine des Redaktionshochhauses. Rollersturz schiebt zunächst das Spielzeugauto über den Tisch, vorbei an Schwindlers Teller, auf dem noch ein Rest Schnitzel und ein paar versalzene Fritten liegen.

„Bei durchschnittlich 100 Stundenkilometern wären rund 61 Stunden reine Fahrzeit nötig“, erklärt er. „Mit Schlafen, Laden, Essen und Pausen wäre man von Bremerhaven nach New York wahrscheinlich etwa vier Tage unterwegs.“

Schwindler deutet auf den kleinen Fahrradfahrer. „Und mit dem Fahrrad?“

Rollersturz muss nicht lange rechnen. „Bei 6.000 Kilometern und durchschnittlich 20 Stundenkilometern wären das etwa 300 Stunden im Sattel. Selbst wenn man jeden Tag acht Stunden fährt, wäre man fast 38 Tage unterwegs. Für Radfahrer bräuchte man deshalb entlang der Strecke unbedingt Versorgungsstationen mit Übernachtungsmöglichkeiten.“

Schwindler schluckt und verspeist den letzten Happen seines Schnitzels. Dann meint er abschließend zu Rollersturz: „Na, vielleicht haben wir es mit unserer Meldung von der Atlantikbrücke diesmal doch ein wenig übertrieben. Zumal es die ja trotzdem schon gibt – nur eben nicht als Bauwerk …“

Rollersturz’ Roller ist inzwischen vollständig aufgeladen. Er hing während des gesamten Besuchs an der Steckdose in Schwindlers Büro.

„Das war ein interessanter Wissensaustausch mit Ihnen“, verabschiedet sich Schwindler.

Rollersturz bedankt sich, steigt auf seinen Roller und braust davon. Schwindler schaut ihm noch einen Moment hinterher.

„Hoffentlich kommt er heil zu Hause an“, denkt er bei sich.