Immer mehr Menschen mutieren zu Zombies

Sebastian Schwindler:

In den letzten Wochen haben sich überall im Bundesgebiet seltsame Veränderungen in der Bevölkerung gezeigt. Die Menschen scheinen sich nicht mehr gegenseitig wahrzunehmen und agieren nur noch egozentrisch.
Sie machen keinen Platz, stehen absichtlich im Weg, blinken nicht, sagen nicht danke und nehmen keine Rücksicht.
Es sind gleichgültige, untote Wesen, die keine Hilfbereitschaft, keine Empathie und keine Behindertenparkplätze kennen.

Wir haben nun die aktuelle Bürgermeisterin von Salzgitter im Preisgau zugeschaltet.

Frau Preisgau, wie wirkt sich diese Zombie-Seuche bei ihnen im Ort aus?

Angelika Rautenbieger:

Mein Name ist Angelika Rautenbieger, und Salzgitter ist eigentlich kein Ort, sondern eine richtige Stadt.

Sebastian Schwindler:

Gut, dann nehme ich alles zurück.

Angelika Rautenbieger:

Diese Zombies vermehren sich unaufhaltsam, und schlürfen durch die Gegend. Am Schlimmsten ist es in der Jan-Bömmermann-Straße. Dort stehen sie in Gruppen nebeneinander auf dem Gehweg und blockieren den gesamten Raum.

Sie werfen achtlos Müll auf den Boden, und spielen laute Musik ab, ohne Kopfhörer zu benutzen.

Sebastian Schwindler:

Ich schalte mal den wissenschaftlichen Leiter des Ressources für Verhaltensstörungen in den Bundeskremien zu. Herrn Professor Doktor Lichterglanz.

(An den Professor gerichtet)

Herr Lichterglanz, wie kommt es zur Vermehrung dieser – nennen wir sie mal Ego-Zombies?

Prof. Dr. Lichterglanz:

Basti mein Bester, da kommen fünf Faktoren zusammen.

  1. Das exzessive Nutzen von Sozialen Medien, um ausschließlich die eigene Meinung zu propagieren und keine andere Sichtweise zuzulassen.
  2. Eine Kultur, die Narzissmus und Selbstverherrlichung fördert,
  3. Vernachlässigung von Empathie und sozialen Kompetenzen in der Erziehung und Ausbildung.
  4. Prominente oder Führungspersonen als Vorbilder für egozentrisches oder rücksichtsloses Verhalten.
  5. Gesellschaftlicher Streß, wirtschaftliche Unsicherheit und hoher Wettbewerbsdruck führen dazu, dass Menschen sich stärker auf sich selbst konzentrieren und weniger Rücksicht auf andere nehmen.

Sebastian Schwindler:

Gibt es ein Gegenmittel, Herr Professor?

Prof. Dr. Lichterglanz:

Wir könnten versuchen, diese Zombies aus ihrer Selbstabsorption zu reißen, indem wir kollektive Aktivitäten fördern. Gemeinschaftsprojekte, soziale Interaktionen und Teamarbeit, könnten dazu beitragen, ihr Bewusstsein für andere Menschen wieder herzustellen.

Sebastian Schwindler:

Frau Bürgermeisterin, würden Sie das begrüßen?

Angelika Rautenbieger:

Ach so, ja, also ich grüße meinen Mann, meine Mutter in Bielefeld, meine beste Freundin Hannelore und alle die mich kennen und mögen.

Prof. Dr. Lichterglanz:

Basti, darf ich auch noch jemanden grüßen?

Sebastian Schwindler:

Ich fürchte, unsere Sendezeit ist schon wieder vorbei.