Der Gefängnisausbruch

Sebastian Schwindler:

Nach einer spektakulären Flucht, fahndet die Polizei derzeit nach dem mehrfach vorbestraften Gewaltverbrecher Stephan Schläger.
Dem als äußerst gefährlich geltenden Häftling gelang die Flucht ausgerechnet aus Deutschlands sicherstem Gefängnis, der Haftanstalt in Brechen an der Rost.

Das Strafregister von Stephan Schläger ist lang. Er hat sich praktisch durch sein gesamtes Leben durchgeschlagen, im wahrsten Sinne des Wortes. Neben zahlreichen Gewaltdelikten brach er nicht nur jede Ausbildung und jedes Studium ab, sondern auch die hochwertige Antenne der Limousine der bekannten Schlagersängerin Heidi Knaller.

In zahlreichen Geschäften nahm er sich ausserdem einfach, was er wollte, allerdings ohne dafür zu bezahlen. Einer Zahnärztin nahm er sogar das Leben. Als Motiv gab er später vor Gericht an: Sie sei ihm einfach auf die Nerven gegangen.
Darüber hinaus fiel der mehrfache Schwarzfahrer durch Bitcoin-Betrug, Erpressung im Rotlichtmillieu und zahlreiche weitere Straftaten auf.

Aber wie konnte es überhaupt zu diesem spektakulären Ausbruch kommen?
Wir blicken nach Kotstadt in die Untere Bruchstraße. das ist wirklich eine finstere Ecke mit üblen Gestalten.
Dort begrüße ich nun unseren In- und Auslandskorrespondenten Erwin Wenzelkopp…

Wenzi, bitte gib uns weitere Informationen…

Erwin Wenzelkopp:

Hallo Basti, ich glaube ihr habt mich etwas zu früh eingeblendet.

Naja, jedenfalls läuft dieser Schläger immer noch frei rum.
Der Vorfall ereignete sich während des traditionellen Tags der offenen Tür. Seit vielen Jahren gehört es dort zum festen Programm, dass die Häftlinge als Piloten Hubschrauber-Rundflüge mit den Besuchern durchführen.

Nach Angaben der Justizvollzugsanstalt soll diese ungewöhnliche ungewöhnliche Attraktion, das Vertrauen zwischen Bevölkerung und Strafvollzug stärken, und den Gästen einen möglichst authentischen Einblick in den Haftalltag vermitteln.
Stephan Schläger nutzte seinen Rundflug jedoch kurzerhand zur Flucht. Er schubste seine Fluggäste aus der Maschine, und steuerte einen Baumark hier in Bruchstadt an, wo er auf einem Dach landete und schließlich entkam.

Sebastian Schwindler:

Wenzi, das ist ja unglaublich. Wie kann es möglich sein, dass diese Haftanstalt keine Raketengeschosse auf ihrem Dach installiert hat, um in einem solchen Fall einen Hubschraubr aufzuhalten?

Erwin Wenzelkopp:

Ja, das könnte man sich durchaus fragen, Basti. Ich vermute, dass… (Verbindung unterbrochen)

Sebastian Schwindler:

Diese Frage richten wir direkt an den Leiter der Haftanstalt, Roland Riegel.

Roland Riegel:

Bin ich schon dran?

Wir setzen seit vielen Jahren auf Vertrauen statt Mißtrauen. Unsere Häftlinge erhalten bei uns viele Freiheiten. Dass Herr Schläger dieses Vertrauen derart missbraucht hat, enttäuscht mich menschlich sehr.
Erst gestern Abend habe ich Herrn Schläger als Überraschung einen kleinen, selbst geklöppelten Waschlappen auf sein Bett gelegt. Dass er sich nur wenige Stunden später mit einem unserer Hubschrauber aus dem Staub macht, hätte ich ihm wirklich nicht zugetraut.

Sebastian Schwindler:

Vielleicht ist es keine so gute Idee, ausgerechnet in einer Haftanstalt einen Tag der offenen Tür zu feiern, Herr Schniedel.

Roland Riegel:

Riegel, Roland Riegel!

Herr Schwindler, da rennen Sie jetzt keine offenen Türen bei mir ein. Wissen Sie, wir leben ja auch davon, ein gutes Verhältnis zu unserer Nachbarschaft zu haben. Die Gemeinde freut sich jedes Jahr aufs Neue auf unsere beliebte Veranstaltung.

Sebastian Schwindler:

Und wenn Sie vielleicht einfach die Hubschrauber-Rundflüge weglassen, oder keine Häftlinge mehr da reinsetzen?

Roland Riegel:

Dann wäre unser Tag der offenen Tür nicht mehr dasselbe, das müssen Sie doch verstehen.

Sebastian Schwindler:

Ja das klingt wirklich nach einem unlösbaren Problem Herr Roland – leider.

Roland Riegel:

Bei unserer letzten Vers…
(Verbindung unterbrochen)