Die USA und Grönland: Jetzt geht es um Öl

Um Grönland war es zuletzt etwas ruhiger geworden. Noch vor einigen Monaten sorgte US-Präsident Donald Trump mit seinen wiederholten Äußerungen für Aufsehen, die Vereinigten Staaten müssten die riesige Arktisinsel unter ihre Kontrolle bekommen. Inzwischen ist die große politische Debatte etwas aus den Schlagzeilen verschwunden. Doch das amerikanische Interesse an Grönland ist keineswegs verschwunden. Im Gegenteil: Nun wird es sehr konkret.

Im Mittelpunkt steht diesmal nicht unmittelbar die US-Regierung, sondern ein amerikanisches Unternehmen. Die Greenland Energy Company bereitet gemeinsam mit Partnern ein Projekt in Jameson Land im Osten Grönlands vor. Dort werden große Erdölvorkommen vermutet. Das Unternehmen möchte zunächst eine Probebohrung durchführen und sich mehrheitlich an dem Projekt beteiligen.

Politisch brisant ist dabei, dass die amerikanische Firma Verbindungen zu Personen aus dem Umfeld Donald Trumps hat. Das allein macht aus dem Vorhaben natürlich noch kein Projekt der US-Regierung. Doch angesichts von Trumps wiederholten Forderungen nach amerikanischer Kontrolle über Grönland bekommt das Engagement zwangsläufig eine politische Dimension.

Und bereits jetzt gibt es Ärger.

Material und Ausrüstung für das Projekt wurden an die grönländische Ostküste gebracht, obwohl für die geplanten Aktivitäten noch nicht alle erforderlichen Genehmigungen vorliegen. Die grönländische Regierung reagierte entsprechend deutlich und warnte davor, weitere logistische Maßnahmen ohne vorherige Zustimmung der Behörden durchzuführen.

Nach den derzeit bekannten Planungen soll weitere Ausrüstung im September eintreffen. Eine erste Bohrung ist für Oktober 2026 vorgesehen. Ob sie tatsächlich stattfinden kann, ist allerdings offen. Dafür müssen zunächst die zuständigen grönländischen Behörden grünes Licht geben.

Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil Grönland 2021 beschlossen hatte, keine neuen Lizenzen für die Suche nach Öl und Gas mehr zu vergeben. Die Regierung begründete diesen Schritt vor allem mit Klima- und Umweltaspekten. Das jetzige Projekt stützt sich offenbar auf ältere Explorationsrechte und bewegt sich damit in einer besonderen rechtlichen Situation.

Warum Grönland für die USA so wichtig ist

Bei dem amerikanischen Interesse geht es allerdings um wesentlich mehr als Öl.

Grönland liegt strategisch ausgesprochen günstig zwischen Nordamerika, Europa und der Arktis. Mit dem Abschmelzen des arktischen Eises gewinnen neue Seewege, Rohstoffvorkommen und militärische Positionen immer stärker an Bedeutung. Gleichzeitig konkurrieren die USA, Russland und zunehmend auch China um Einfluss im hohen Norden.

Die Vereinigten Staaten sind ohnehin längst auf Grönland präsent. Auf der Insel befindet sich die amerikanische Pituffik Space Base, früher als Thule Air Base bekannt. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Raketenfrühwarnung, der Weltraumüberwachung und der Verteidigung Nordamerikas.

Trump hat zudem auch 2026 seine grundsätzliche Haltung nicht aufgegeben. Er argumentiert weiterhin, dass Grönland für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten von großer Bedeutung sei und verweist dabei insbesondere auf russische und chinesische Aktivitäten in der Arktis.

Eines sollte dabei allerdings klar auseinandergehalten werden: Es gibt derzeit keine belastbaren Hinweise darauf, dass amerikanische Truppen dabei wären, Grönland zu besetzen oder dass Washington ohne Zustimmung der grönländischen und dänischen Behörden neue Militärstützpunkte errichtet. Die aktuell auffälligste neue amerikanische Aktivität betrifft vielmehr das geplante Ölprojekt.

Grönland will selbst entscheiden

Gerade hier liegt der entscheidende Punkt der gesamten Auseinandersetzung.

Grönland ist zwar Teil des Königreichs Dänemark, besitzt aber weitreichende Autonomierechte. Langfristig gibt es auf der Insel eine starke politische Bewegung in Richtung vollständiger Unabhängigkeit. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass die Grönländer anschließend Amerikaner werden möchten.

Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen hat das ausgesprochen deutlich formuliert: „Greenland does not want to be owned by the USA.“ Grönland wolle weder von den Vereinigten Staaten regiert werden noch Teil der USA werden. Sollte man gegenwärtig zwischen den USA und Dänemark wählen müssen, sehe man sich auf der Seite Dänemarks, der NATO und Europas.

Damit wird aus einer vermeintlichen Rohstofffrage schnell eine grundsätzliche politische Frage: Wer entscheidet über Grönlands Zukunft?

Vom Kaufangebot zum Bohrgerät

Genau deshalb ist die aktuelle Entwicklung interessanter, als sie auf den ersten Blick erscheint. Trump spricht davon, dass die USA Grönland aus strategischen Gründen brauchen. Gleichzeitig interessieren sich amerikanische Unternehmen für die gewaltigen Rohstoffvorkommen der Insel. Und nun wird bereits Ausrüstung an die grönländische Küste gebracht, während die Behörden darauf hinweisen müssen, dass für weitere Aktivitäten erst einmal ihre Genehmigung erforderlich ist.

Das bedeutet nicht, dass hier eine heimliche amerikanische Übernahme Grönlands stattfindet. Die Greenland Energy Company ist nicht die US-Regierung, wirtschaftliche Interessen sind keine militärische Besetzung und ältere Explorationsrechte verschwinden nicht allein deshalb, weil ein amerikanisches Unternehmen daran beteiligt ist.

Trotzdem sollte man die Entwicklung aufmerksam verfolgen. Denn Grönland wird in den kommenden Jahrzehnten wahrscheinlich erheblich an geopolitischer Bedeutung gewinnen. Rohstoffe, neue arktische Verkehrswege und die militärische Lage machen die Insel für die Großmächte zunehmend interessant. Die entscheidende Frage dürfte deshalb weniger sein, ob die USA Grönland irgendwann tatsächlich „kaufen“. Viel wichtiger wird sein, wie viel wirtschaftlichen und politischen Einfluss Washington dort Schritt für Schritt gewinnt.

Das gegenwärtige Ölprojekt ist für sich genommen noch kein Beleg für eine amerikanische Strategie zur schleichenden Übernahme Grönlands. Es wäre unseriös, eine private Probebohrung unmittelbar mit Trumps territorialen Forderungen gleichzusetzen. Gleichzeitig wäre es ebenso naiv, die verschiedenen Interessen völlig getrennt voneinander zu betrachten. Militärische Sicherheit, Rohstoffe und Einfluss in der Arktis gehören aus amerikanischer Sicht zu demselben geopolitischen Gesamtbild. Entscheidend ist deshalb nicht, dass Amerikaner in Grönland aktiv werden – Kooperation mit den USA gibt es dort schließlich seit Jahrzehnten. Entscheidend ist, ob Grönland selbst die Bedingungen dafür bestimmt. Genau an diesem Punkt wird sich zeigen, ob aus amerikanischem Interesse eine Partnerschaft wird – oder politischer Druck.

Um Grönland war es zuletzt etwas ruhiger geworden. Noch vor einigen Monaten sorgte US-Präsident Donald Trump mit seinen wiederholten Äußerungen für Aufsehen, die Vereinigten Staaten müssten die riesige Arktisinsel unter ihre Kontrolle bekommen. Inzwischen ist die große politische Debatte etwas aus den Schlagzeilen verschwunden. Doch das amerikanische Interesse an Grönland ist keineswegs verschwunden. Im Gegenteil: Nun wird es sehr konkret.

Im Mittelpunkt steht diesmal nicht unmittelbar die US-Regierung, sondern ein amerikanisches Unternehmen. Die Greenland Energy Company bereitet gemeinsam mit Partnern ein Projekt in Jameson Land im Osten Grönlands vor. Dort werden große Erdölvorkommen vermutet. Das Unternehmen möchte zunächst eine Probebohrung durchführen und sich mehrheitlich an dem Projekt beteiligen.

Politisch brisant ist dabei, dass die amerikanische Firma Verbindungen zu Personen aus dem Umfeld Donald Trumps hat. Das allein macht aus dem Vorhaben natürlich noch kein Projekt der US-Regierung. Doch angesichts von Trumps wiederholten Forderungen nach amerikanischer Kontrolle über Grönland bekommt das Engagement zwangsläufig eine politische Dimension.