Die Titanic sticht wieder in See


Sebastian Schwindler:

Nachdem der aus Minderlingen stammende Milliardär Tobias Taubengrauler das Schiffswrack der Titanic, geborgen, restauriert, und wieder fahrbereit gemacht hat, soll das historische Dampfschiff nun seine erste Reise antreten, von Bremerhaven nach New York…

Mit an Bord wird auch der bekannte russische Politiker Wladimir Putin sein, der mit seiner Reise ein Zeichen setzen will für Menschlichkeit und Frieden.
In New York wird er auf den amerikanischen Friedenspräsidenten Donald Trump treffen, der bereits acht Kriege beendet hat, und ihm den Mirnaya premiya überreichen, der das russiche Pendant des Fridensnobelpreises darstellt.

Zugeschaltet ist nun Tobias Taubengrauler, mit dem ich nun ein kurzes Gespräch führen werde.

Herr Taubengrauler, Sie sind noch recht jung und konnten trotzdem genug Geld aufbringen, um die Titanic aus dem Atlantik zu bergen und wieder zusammenschrauben.

Mutter von Tobias Taubengrauler:

Ich bin die Mutter.

Tobias Taubengrauler:

Was ist Ihre Frage? Ich habe sie nicht ganz verstanden.

Sebastian Schwindler:

Die Frage, ja also… wie kommt ein junger Mann wie Sie zu so viel Geld. Haben Sie geerbt?

Tobias Taubengrauler:

Aber nein, ich habe mit Pokémon-Karten gehandelt, sehr erfolgreich.

Sebastian Schwindler:

Kinderspielkarten? Bedruckte Pappe?

Tobias Taubengrauler:

In der Tat. es gibt seltene Pokémon-Karten, die sehr viel Geld bringen.

Sebastian Schwindler:

Ich kenne nur Pokémon Go, hatte ich mal auf meinem Smartphone, aber damit bin ich zu oft gegen Straßenlaternen gelaufen.
Kommen wir zum eigentlichen Thema, dem Zusammenbau der alten Titanic. Ich meine, sie lag seit über hundert Jahren in der Tiefsee und ist extrem korrodiert und beschädigt. Viele Teile des Schiffes sind vermutlich nicht mehr vorhanden oder könnten nicht wiederverwendet werden.

Tobias Taubengrauler:

Da sagen Sie was. Es war wirklich ein Haufen Arbeit.

Mutter von Tobias Taubengrauler:

Ich bin sehr stolz auf meinen Sohn.

Sebastian Schwindler:

Die Titanic wurde im frühen zwanzigsten Jahrhundert gebaut, und ihre Technologie und Konstruktion sind völlig veraltet im Vergleich zu modernen Schiffen. Die Umstellung auf zeitgemäße Technologie war doch bestimmt äusserst schwierig.

Tobias Taubengrauler:

Deswegen hab ich das alles auch nicht alleine gemacht. Ich hatte Helfer.

Sebastian Schwindler:

Ach was, und ihre neue Titanic erfüllt wirklich die heutigen strengen Sicherheits- und Zertifizierungsanforderungen für den Schiffsbetrieb?

Tobias Taubengrauler:

Ja, ich hab mir extra noch mal so einen zettel geben lassen, wo das drauf steht, mit einem Stempel und einer Unterschrift.

Mutter von Tobias Taubengrauler:

Mein Sohn hat an alles gedacht.

Sebastian Schwindler:

Was ist mit den Umweltstandarts, ich meine, es handelt sich um ein historisches Dampfschiff…?

Tobias Taubengrauler:

Die neue Titanic gilt als ein maritimes Kulturgut. Da gelten Sonderregelungen. das ist wie bei oldtimern im Straßenverkehr. dafür habe ich auch noch mal einen Zettel bekommen.

Mutter von Tobias Taubengrauler:

Mit einem Stempel drauf und einer Unterschrift.

Sebastian Schwindler:

Soweit Tobias Täuberich.

Die neue Titanic befindet sich zur Zeit im Bremer Hafen und wartet auf ihre Abfahrt.
Unser In- und Auslandskorrespondent Erwin Wenzelkopp richtet dort nun ein paar Fragen an den Kapitän, Herrn Smith Junior.

Erwin Wenzelkopp:

Captain Smith, ihr Vater war ja auch schon Kapitän auf diesem Schiff, und er ging sprichwörtlich unter. Was hat er in Ihren Augen übersehen?

Captain Smith Junior:

Mein Vater, Sie meinen eher meinen Urgroßvater nehme ich an, ja was hat er Übersehen… einen Eisberg.

Erwin Wenzelkopp:

Haben Sie nicht die Sorge, dass Ihnen das auch passieren könnte, Herr Kapitän?

Captain Smith Junior:

Aber nein, wegen der Klimakatastrophe sind inzwischen alle Eisberge geschmolzen. Da hat uns Greta Thunberg schon beruhigt.

Erwin Wenzelkopp:

Werden sie wieder zu wenig Rettungsboote an Bord haben und kein Fernglas im Ausguck?

Captain Smith Junior:

Aber ja, unser Schiff ist ein Oldtimer und seine Authentizität sollte bewahrt bleiben. Es ist also alles so, wie auf dem alten Schiff, und genau das erwarten die Menschen ja auch. Nostalgie pur eben.

Erwin Wenzelkopp:

Wird Leonardo di Caprio auch wieder mit an Bord sein?

Captain Smith Junior:

Ach Sie meinen diesen Schauspieler, nein, aber wir freuen uns auf Wladimir. Er veranstaltet an Bord einen sogenannten Russischen Abend mit reichlich Wodka und ganz vielen Raketen, die abgeschossen werden.

Erwin Wenzelkopp:

Raketen?

Captain Smith Junior:

Ich meine natürlich Feuerwerk, hab mich da wohl etwas unglücklich ausgedrückt.

Sebastian Schwindler:

Dann wünschen wir der neuen Titanic abschließend noch eine gute Überfahrt nach New York – diesmal ohne besondere Zischenfälle.