Playmobil kämpft sich zurück – gelingt dem Spielzeugklassiker die Wende?


Jahrzehntelang gehörte Playmobil zu den erfolgreichsten Spielzeugmarken Deutschlands. Ritterburgen, Piratenschiffe und Polizeistationen begeisterten Generationen von Kindern. Doch inzwischen steckt der traditionsreiche Hersteller in einer schweren wirtschaftlichen Krise. Sinkende Umsätze, hohe Verluste und Werksschließungen haben das Unternehmen erschüttert. Nun gibt es erste Anzeichen einer Stabilisierung.

Fast die Hälfte des Umsatzes verloren

Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Krise. Im Geschäftsjahr 2020/2021 erwirtschaftete die Horst Brandstätter Group, zu der Playmobil gehört, noch rund 760 Millionen Euro Umsatz. 2023/2024 waren es nur noch 449 Millionen Euro, im Geschäftsjahr 2024/2025 schließlich 409 Millionen Euro. Das entspricht einem erneuten Rückgang um 8,9 Prozent.

Innerhalb weniger Jahre verlor die Unternehmensgruppe damit rund 46 Prozent ihres Umsatzes. Hinzu kam 2024/2025 ein Jahresfehlbetrag von etwa 117 Millionen Euro.

Immerhin hat sich der Umsatzrückgang zuletzt verlangsamt. Ob damit die wirtschaftliche Trendwende begonnen hat, bleibt allerdings offen. Für das bereits abgeschlossene Geschäftsjahr 2025/2026 liegen bislang keine umfassenden veröffentlichten Umsatzzahlen vor.

Neue Produkte sollen Playmobil retten

Um wieder mehr Käufer zu gewinnen, setzt Playmobil verstärkt auf neue Produkte und bekannte Marken. Fußballfiguren zur Weltmeisterschaft 2026 und eine Bundesliga-Kollektion sollen beispielsweise auch erwachsene Fans und Sammler ansprechen.

Hinzu kommen Kooperationen mit Barbie, Monster High und WWE. Mit dem interaktiven Audiosystem Playmobil hi! und dem Bausystem Sky Trails versucht das Unternehmen außerdem, neue Spielmöglichkeiten zu schaffen.

Gleichzeitig bleiben klassische Themenwelten wie Ritter, Piraten und Bauernhöfe wichtige Bestandteile des Sortiments.

Erste positive Signale gibt es bereits: Nach Unternehmensangaben stießen neue Produkte im Weihnachtsgeschäft 2025 und im ersten Quartal 2026 auf eine erfreuliche Resonanz. Konkrete Verkaufszahlen, die eine nachhaltige Erholung belegen könnten, fehlen allerdings noch.

Werksschließung und Führungswechsel

Der wirtschaftliche Umbau hat erhebliche Folgen. Ende Juni 2026 wurde das letzte deutsche Playmobil-Produktionswerk in Dietenhofen geschlossen. Rund 350 Beschäftigte waren betroffen. Die Produktion konzentriert sich inzwischen auf Malta und Tschechien.

Auch die Unternehmensführung wurde verändert. Im September 2026 verließ Vorstand Bahri Kurter das Unternehmen. Seit Oktober verantwortet Lars Wagner die Bereiche Marketing, Vertrieb und Entwicklung.

Eine starke Marke in einem schwierigen Markt

Trotz der Krise besitzt Playmobil weiterhin einen wichtigen Vorteil: Die Marke ist weltweit bekannt und seit ihrer Einführung 1974 für ein unverwechselbares Spielkonzept bekannt.

Doch das Freizeitverhalten von Kindern hat sich verändert. Digitale Spiele und zahlreiche elektronische Unterhaltungsangebote konkurrieren mit traditionellem Spielzeug. Gleichzeitig muss sich Playmobil gegen erfolgreiche Konkurrenten wie Lego behaupten, die verstärkt auf Lizenzprodukte und erwachsene Sammler setzen.

Playmobil versucht deshalb, seine traditionellen Stärken mit neuen Ideen zu verbinden, ohne dabei den Charakter der Marke aufzugeben.

Das Weihnachtsgeschäft 2026 wird zum wichtigen Prüfstein

Ob die Neuausrichtung funktioniert, könnte sich im laufenden Weihnachtsgeschäft zeigen. Neue Lizenzprodukte, innovative Spielkonzepte und klassische Themenwelten müssen beweisen, dass sie wieder genügend Käufer überzeugen können.

Die ersten positiven Signale machen Hoffnung, doch von einer überwundenen Krise kann noch keine Rede sein. Entscheidend wird sein, ob Playmobil nicht nur den Umsatzrückgang stoppen, sondern nach den hohen Verlusten auch wieder profitabel werden kann.

Vielleicht liegt die größte Chance des Unternehmens gerade in seiner ursprünglichen Idee: Mit wenigen Figuren und etwas Fantasie können Kinder ganze Welten erschaffen. Ein Konzept, das seit mehr als 50 Jahren funktioniert – und möglicherweise auch in Zukunft seinen Platz behaupten kann.