Horror-Clowns vor dem Aus?

Sebastian Schwindler:

Sie stehen in irgendwelchen dunklen Ecken und springen hervor, mit einer Kettensäge in der Hand oder einer Axt, aber anstatt ihre Opfer in kleine Stücke zu zerlegen, oder zu zerhacken, gießen sie ihnen hämisch lachend einen Becher mit abgestandener Cola über den Kopf und finden das lustig.

Eine Umfrage ergab nun, dass 79 Prozent der Bundesbürger diese frechen Späße der sogenannten „Horrorclowns“ ablehnen. Selbst an Halloween befürworten nur 33 Prozent der Befragten deren Aktionen.
Bedeutet dies nun das Ende des Berufsstandes der Horrorclowns, und was bedeutet das für die Darsteller, wenn sie ihre Tätigkeit nicht mehr ausführen können?

Darüber sprechen wir nun mit dem Leiter der psychiatrischen Abteilung der Jürgen Milski Krankenanstalt in Jena, Professor Doktor Lichterglanz.

Prof. Dr. Lichterglanz:

Viele Menschen, und damit meine ich dich nicht persönlich, lieber Basti, ich halte dich durchaus für aufgeklärt, aber viele Menschen bedenken nicht, dass es sich bei den lustigen Horrorclowns zu Halloween und an 364 anderen Tagen des Jahres um ein Resozialisierungsprojekt handelt.
Viele Akteure saßen im Gefängnis oder hinter schwedischen Gardinen, und die haben nun wirklich eine zweite Chance verdient, sich wieder in unsere Gesellschaft einzubringen.

Sebastian Schwindler:

Dafür tritt auch der Gewerkschaftsführer der Vereinigung der Horrorclowns in Deutschland ein, der übrigens ein Amerikaner ist. In den USA hat er sich bereits einen großen Namen gemacht.

Gewerkschaftsführer:

Basti, du bist ein großartiger Nachrichtensprecher. Ich freue mich, in deiner Sendung sein zu dürfen.

Sebastian Schwindler:

Herr Abstecher, vielen Dank, dass sie diesen kleinen Abstecher vor unsere Kamera gemacht haben.
Wie soll es nun weitergehen mit ihren Horrorclowns?

Gewerkschaftsführer:

Diese Kettensägen sind ja nicht echt. In der Regel sind sie aus Marzipan und Pappmaschee, und besonders unsere Kinder haben doch eine riesige Freude daran, wenn so ein bunter Clown auf sie zuläuft und dabei wie ein Zombie winselt.

Sebastian Schwindler:

Das mag alles so sein, Herr Abstecher, aber nicht alle Kettensägen sind aus Marzipan. Manche sind auch echt und richten wirklichen Schaden an. Da geht schon mal eine Lampe in der Unterführung zu Bruch oder ein Arm wird abgetrennt.

Gewerkschaftsführer:

Ja, Sachbeschädigungen in Unterführungen sind immer ein Problem, und dagegen gehen wir auch energisch vor.

Sebastian Schwindler:

Aber wenn doch die Mehrheit der Bevölkerung ihre Horror-Clowns ablehnt, wäre es vielleicht angebracht, einmal darüber nachzudenken, ob man diesen Schreckgestalten nicht ein besseres Image verpasst, damit sie in der Gesellschaft wieder mehr Akzeptanz erhalten.

Gewerkschaftsführer:

Basti, diese Umfragen sind natürlich gelogen, es sind Fake News. Trotzdem haben wir uns etwas neues ausgedacht. Wir sind auf die Idee gekommen, künftig mit sogenannten Killer-Doktoren zu arbeiten, die mit großen Spritzen nachts auf einsamen Bahnsteigen, also nicht mehr in Unterführungen, wo schnell mal was kaputtgehen kann, Scherze mit den Fahrgästen treiben.


Sebastian Schwindler:

Ärzte statt Clowns? Dann fallen wenigstens die lärmenden Kettensägen weg. Das könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein.
Was wird sich denn in diesen Spritzen finden?

Gewerkschaftsführer:

Nichts Gefährliches natürlich. Kein Arsen oder Zyankali oder sowas. Wenn die Doktoren zustechen, kann also nicht viel passieren.
Wir dachten an Himbeermarmelade.

Sebastian Schwindler:

Ja dann hoffen wir mal, dass sich ihre Killer-Doktoren größerer Beliebtheit erfreuen werden als die bisherigen Horror-Clowns.

Herr Abstecher…?

(Herr Abstecher ist im Stehen eingeschlafen)

Richten wir uns also künftig auf viele lustige YouTube oder TikTok-Videos mit Killer-Doktoren ein, die mit ihren Spritzen ahnungslose Bürger auf dunklen Bahnsteigen erschrecken.