Der Iran besitzt eine Waffe, die keine Rakete und keine Bombe ist und trotzdem die gesamte Weltwirtschaft treffen kann: seine Lage an der Straße von Hormus. Durch diese schmale Meerenge zwischen Iran und Oman führte vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweit verbrauchten Öls. Tanker aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait, Katar und dem Irak müssen hier hindurch, um die Weltmärkte zu erreichen. Wer Hormus kontrolliert oder auch nur dafür sorgt, dass die Passage gefährlich wird, kann deshalb den Ölpreis von Frankfurt bis Tokio beeinflussen.
Genau das erleben wir derzeit. Seit Beginn des Iran-Krieges ist der Schiffsverkehr durch die Meerenge massiv eingebrochen. Iran hält daran fest, Hormus nicht wieder vollständig freizugeben, solange seine Forderungen gegenüber den USA nicht erfüllt werden. Aus einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt ist damit ein geopolitisches Druckmittel geworden. Und zunächst funktioniert dieses Druckmittel ausgesprochen gut.
Unmittelbar vor Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran Ende Februar kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent ungefähr 72,50 Dollar. Im Frühjahr schoss der Preis zeitweise auf mehr als 126 Dollar. Der Brent-Spotpreis erreichte Anfang April sogar rund 138 Dollar, einzelne physisch gehandelte Rohölsorten näherten sich 150 Dollar. Inzwischen hat sich die Lage etwas beruhigt. Mitte August liegt Brent wieder bei ungefähr 90 Dollar. Von einer dauerhaften Verdoppelung des Ölpreises kann also nicht gesprochen werden. Aber Öl ist weiterhin deutlich teurer als vor dem Krieg – und vor allem ist ein Problem zurückgekehrt, das die Welt aus früheren Jahrzehnten nur zu gut kennt: Unsicherheit.
Für einen Industriestaat ist nämlich nicht nur entscheidend, wie viel ein Barrel Öl heute kostet. Fast genauso wichtig ist die Frage, ob es morgen überhaupt zuverlässig geliefert werden kann. Genau an diesem Punkt könnte der Iran einen gewaltigen strategischen Fehler begehen. Denn je eindrucksvoller er demonstriert, wie abhängig andere Länder von einer einzigen Meerenge sind, desto größer wird deren Interesse, diese Abhängigkeit zu beseitigen.
Eine Waffe, die ihre eigene Wirkung zerstören könnte
Stellen wir uns einen Staat vor, der von einem einzigen Lieferanten abhängig ist. Dieser Lieferant erklärt ihm: Wenn du nicht machst, was ich will, stelle ich die Lieferung ein. Kurzfristig besitzt der Lieferant enorme Macht. Langfristig wird sein Kunde jedoch alles daransetzen, nie wieder derart abhängig zu sein. Er wird andere Lieferanten suchen, Vorräte anlegen oder versuchen, das betreffende Produkt durch etwas anderes zu ersetzen.
Genau dieser Mechanismus könnte nun beim Öl einsetzen. Je länger die Straße von Hormus unsicher bleibt, desto größer wird für China, Indien, Japan, Südkorea und Europa der wirtschaftliche Wert jeder Technologie und jeder Infrastruktur, die ihre Abhängigkeit vom Öl aus dem Persischen Golf verringert. Das können zusätzliche Lieferanten außerhalb des Nahen Ostens sein, neue Pipelines oder größere strategische Ölreserven. Es können aber ebenso Elektroautos, Solar- und Windkraft, Kernenergie, Batteriespeicher, effizientere Industrieanlagen oder alternative Kraftstoffe sein.
Die Internationale Energieagentur sieht bereits Anzeichen für einen solchen Effekt. Nach ihrer Einschätzung verändert die gegenwärtige Krise Investitionsentscheidungen und erhöht weltweit das Interesse an heimischen Energiequellen und einer stärkeren Diversifizierung der Versorgung. Iran demonstriert der Welt damit unfreiwillig, was Abhängigkeit von Öl bedeuten kann – und liefert gleichzeitig eines der stärksten Argumente dafür, diese Abhängigkeit zu verringern.
Die Ölkrisen haben das schon einmal gezeigt
Ganz neu ist dieser Effekt nicht. Die Ölkrisen der 1970er-Jahre trafen die westlichen Industriestaaten schwer. Plötzlich wurde Energie teuer, Tankstellen blieben zeitweise geschlossen und die Abhängigkeit von den Förderstaaten des Nahen Ostens wurde für Millionen Menschen unmittelbar sichtbar. Doch die hohen Preise hatten Folgen, die den damaligen Ölproduzenten langfristig kaum gefallen konnten.
Autos wurden sparsamer, Gebäude besser isoliert und Staaten bauten strategische Ölreserven auf. Frankreich forcierte massiv seine Kernenergie, neue Ölfelder außerhalb des Nahen Ostens wurden wirtschaftlich interessant und die Energieeffizienz der Volkswirtschaften verbesserte sich. Teures Öl sorgte also dafür, dass Technologien und Investitionen rentabel wurden, die bei billigem Öl wenig attraktiv erschienen.
2026 könnte sich dieser Mechanismus wiederholen – allerdings unter völlig anderen Voraussetzungen. Denn heute existieren Alternativen, die in den 1970er-Jahren entweder technisch noch gar nicht verfügbar oder viel zu teuer waren. Weltweit fließen inzwischen enorme Summen in neue Energietechnologien. Für 2026 werden globale Energieinvestitionen von etwa 3,4 Billionen Dollar erwartet. Rund 2,2 Billionen davon entfallen auf saubere Energietechnologien – ungefähr doppelt so viel wie auf fossile Energieträger.
Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Auto. 2025 war bereits ungefähr jedes vierte weltweit verkaufte Auto elektrisch. Für 2026 erwartet die Internationale Energieagentur einen Anteil von knapp 30 Prozent. Im zweiten Quartal dieses Jahres lagen die weltweiten Elektroautoverkäufe sogar rund 35 Prozent über dem ersten Quartal. Natürlich lässt sich dieser Anstieg nicht allein auf den Iran-Krieg zurückführen. Doch je teurer Benzin und Diesel werden, desto interessanter wird ein Fahrzeug, das überhaupt kein Benzin benötigt.
Darin steckt die langfristige Gefahr für die Ölproduzenten. Elektrofahrzeuge verdrängten 2025 bereits schätzungsweise 1,7 Millionen Barrel Ölverbrauch – jeden einzelnen Tag. Bis 2030 könnten es etwa fünf Millionen Barrel täglich sein. Jedes Elektroauto, das wegen hoher Benzinpreise zusätzlich gekauft wird, benötigt anschließend über viele Jahre keinen fossilen Kraftstoff mehr. Ein kurzfristiger Ölpreisschock kann auf diese Weise langfristige Nachfrage zerstören.
Iran sitzt damit in der eigenen Falle
Aus iranischer Sicht erscheint die Rechnung zunächst logisch. Die Straße von Hormus ist einer der wenigen Punkte der Welt, an denen Teheran die großen Industriestaaten unmittelbar wirtschaftlich treffen kann. Steigt der Ölpreis, steigen Transport- und Produktionskosten, möglicherweise zieht die Inflation wieder an und Regierungen geraten innenpolitisch unter Druck. Der Hebel ist gewaltig, gerade weil moderne Volkswirtschaften trotz aller Energiewende weiterhin große Mengen Öl benötigen.
Doch je häufiger und länger Iran dieses Instrument einsetzt, desto wertvoller wird es für andere Staaten, dieses Instrument unwirksam zu machen. Saudi-Arabien verfügt bereits über eine Pipeline quer durch das Land zum Roten Meer. Die Vereinigten Arabischen Emirate besitzen eine Leitung nach Fujairah, die Öl direkt an die Küste außerhalb der Straße von Hormus transportiert. Zusammen können die wichtigsten bestehenden Umgehungsleitungen derzeit rund 4,7 Millionen Barrel pro Tag an Hormus vorbeiführen.
Das reicht bei weitem nicht aus, um die Meerenge zu ersetzen. Nach dieser Krise dürfte jedoch jede zusätzliche Million Barrel Umgehungskapazität erheblich interessanter erscheinen. Irgendwann könnte deshalb nicht mehr die Frage im Vordergrund stehen, wann Iran Hormus wieder öffnet, sondern wie sich die Welt darauf vorbereiten kann, dass eine erneute Schließung wesentlich weniger Schaden anrichtet.
Die Golfstaaten haben das eigentliche Problem längst erkannt
Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Golfstaaten befinden sich dabei in einer bemerkenswerten Situation. Sie besitzen gigantische Ölreserven und investieren gleichzeitig Milliarden in eine Zukunft, in der Öl nicht mehr ihre einzige wirtschaftliche Lebensversicherung sein soll. Das spektakulärste Beispiel dafür ist Dubai.
Der Aufstieg Dubais basiert längst nicht hauptsächlich auf Öl. Luftfahrt, Logistik, Finanzwirtschaft, Immobilien, Tourismus und Dienstleistungen haben die Stadt zu einem internationalen Wirtschaftszentrum gemacht. Saudi-Arabien versucht mit seiner „Vision 2030“ einen ähnlichen Umbau in wesentlich größerem Maßstab. Technologie, Tourismus, Unterhaltung, Logistik, Industrie und erneuerbare Energien sollen das Land unabhängiger von seinen Öleinnahmen machen.
Das ist keineswegs nur eine modische Zukunftsvision, sondern wirtschaftliche Vorsorge. Die Herrscher am Golf wissen sehr genau, dass unter ihren Ländern zwar noch gigantische Ölreserven liegen, aber niemand garantieren kann, welchen Wert dieses Öl in 30 oder 50 Jahren noch besitzen wird. Also versuchen sie, mit den Einnahmen aus dem alten Geschäftsmodell das neue aufzubauen. Eigentlich ist das eine ausgesprochen rationale Strategie.
Der Iran könnte ihnen dabei allerdings ein neues Problem bescheren. Dubai, Abu Dhabi, Doha und zunehmend auch Riad verkaufen internationalen Unternehmen nämlich nicht nur niedrige Steuern, moderne Infrastruktur und interessante Märkte. Sie verkaufen etwas mindestens ebenso Wertvolles: Stabilität und Berechenbarkeit.
Ein internationaler Konzern eröffnet seine Nahost-Zentrale nicht allein deshalb in Dubai, weil dort moderne Hochhäuser stehen. Ein Manager aus London, Frankfurt oder Singapur soll dort auch nicht das Gefühl haben, sein Unternehmen mitten in einem möglichen Kriegsgebiet anzusiedeln. Raketenangriffe, bedrohte Schifffahrtswege, steigende Versicherungsprämien und eine dauerhaft blockierte Straße von Hormus verändern jedoch die Wahrnehmung der gesamten Golfregion.
Einige Monate Krise werden Dubai oder Abu Dhabi nicht ruinieren. Dafür sind diese Standorte inzwischen viel zu etabliert. Sollte aus der Krise allerdings ein jahrelanger Zustand permanenter Unsicherheit werden, sieht die Sache anders aus. Kapital ist erstaunlich emotionslos: Es geht dorthin, wo das Verhältnis zwischen Rendite und Risiko stimmt. Steigt das Risiko am Golf dauerhaft, werden andere Standorte automatisch attraktiver.
Damit würde Iran nicht nur seinen unmittelbaren militärischen Gegnern schaden. Er könnte zugleich die wirtschaftliche Transformation seiner gesamten Nachbarschaft erschweren.
Droht den Golstaaten deshalb der Niedergang?
Von einem bevorstehenden Niedergang Saudi-Arabiens oder der Vereinigten Arabischen Emirate zu sprechen, wäre übertrieben. Gerade diese Staaten verfügen über gewaltige finanzielle Reserven, moderne Infrastruktur und inzwischen beträchtliche Wirtschaftsbereiche außerhalb des Ölgeschäfts. Saudi-Arabiens Nichtölwirtschaft wächst bereits kräftig, und Dubai ist schon heute kein klassischer Ölstaat mehr.
Entscheidend wird vielmehr sein, wie lange die Unsicherheit anhält. Beruhigt sich die Region wieder, dürften gerade die reichen Golfstaaten ihre Diversifizierung noch energischer vorantreiben. Dann könnte diese Krise rückblickend sogar als zusätzlicher Weckruf erscheinen. Bleibt der Golf dagegen über viele Jahre eine militärische Krisenregion, bekommen Saudi-Arabien, die Emirate und Katar ein ernsthaftes Problem. Denn Öl kann man auch in einer unsicheren Region fördern. Eine internationale Finanz-, Tourismus- und Technologiemetropole lässt sich dort wesentlich schwerer aufbauen.
Und dann sind da noch die USA
Ausgerechnet unter Donald Trump schlagen die Vereinigten Staaten teilweise einen anderen Weg ein. Trump betrachtet die gewaltigen amerikanischen Öl- und Gasvorkommen als strategischen Vorteil und will ihre Förderung weiter stärken. Aus seiner Perspektive ist das zunächst durchaus nachvollziehbar. Amerika produziert inzwischen mehr Rohöl als jedes andere Land. 2025 lag die US-Produktion bei durchschnittlich rund 13,6 Millionen Barrel täglich.
Wenn Öl aus dem Persischen Golf knapp und teuer wird, besitzt ein Land mit eigener riesiger Förderung einen gewaltigen Vorteil. Kurzfristig spricht deshalb einiges für Trumps Rechnung. Die USA können ihre eigene Versorgung sichern, zusätzliche Mengen exportieren und wirtschaftlich sogar davon profitieren, wenn konkurrierende Volkswirtschaften stärker von teuren Importen abhängig sind.
Langfristig entsteht allerdings eine andere Frage: Was geschieht, wenn Amerika seine industrielle Zukunft vor allem in Öl und Gas sieht, während andere Staaten die Technologien entwickeln, die Öl zunehmend ersetzen?
Problematisch ist deshalb nicht unbedingt, dass die USA weiterhin große Mengen Öl und Gas fördern. Riskant wäre vielmehr, daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, fossile Energieträger seien deshalb automatisch auch die entscheidenden Zukunftstechnologien. Es spricht wenig dagegen, vorhandene amerikanische Öl- und Gasvorkommen als strategische Ressource zu nutzen. Gefährlich wird es, wenn gleichzeitig Batterietechnik, Elektromobilität, Solarenergie, Stromnetze, Speichertechnologien und andere Zukunftsbranchen vernachlässigt werden.
China denkt bereits anders
China ist dafür das eindrucksvollste Gegenbeispiel. Das Land benötigt weiterhin enorme Mengen Öl, Gas und Kohle und macht keinerlei Anstalten, morgen vollständig darauf zu verzichten. Gleichzeitig investiert es jedoch massiv in Solarenergie, Windkraft, Stromnetze, Batterien und Elektroautos.
2025 waren bereits mehr als die Hälfte aller in China verkauften Autos elektrisch. Noch bemerkenswerter ist, dass Elektroautos dort zunehmend nicht mehr die teurere ökologische Alternative zum Verbrenner darstellen. Viele Modelle sind inzwischen preislich konkurrenzfähig oder sogar günstiger.
Damit verändert sich die gesamte Logik der Energiewende. Solange ein Elektroauto hauptsächlich gekauft wird, um das Klima zu schützen, hängt seine Verbreitung stark von politischer Überzeugung, Subventionen und Umweltbewusstsein ab. Wenn es dagegen preiswerter wird, niedrigere Betriebskosten verursacht und gleichzeitig die Abhängigkeit von importiertem Öl reduziert, wird daraus Industrie- und Sicherheitspolitik.
China muss Iran weder mögen noch ablehnen, um zu erkennen, dass jedes zusätzliche Elektroauto seine Verwundbarkeit an der Straße von Hormus ein winziges Stück reduziert. Millionen solcher Fahrzeuge ergeben irgendwann eine ganz andere Größenordnung.
Genau deshalb könnte eine einseitige amerikanische Fixierung auf fossile Energien langfristig problematisch werden. Amerika könnte noch jahrzehntelang hervorragendes Öl und Gas fördern, während andere Länder die Produkte und Technologien verkaufen, mit denen die Welt weniger davon benötigt.
Trotzdem wird das Öl nicht einfach verschwinden
Bei all dem wäre es falsch, nun das baldige Ende des Ölzeitalters auszurufen. Auch in zwanzig Jahren dürfte die Welt noch gewaltige Mengen Erdöl benötigen. Flugverkehr, Schifffahrt, Schwerindustrie, Schmierstoffe, Kunststoffe und die gesamte Petrochemie lassen sich wesentlich schwieriger vom Öl lösen als beispielsweise der Pkw-Verkehr. Gerade die petrochemische Industrie dürfte künftig einen immer größeren Anteil des Verbrauchs ausmachen.
Saudi-Arabien und die anderen großen Produzenten werden deshalb nicht plötzlich auf wertlosen Ölfeldern sitzen. Aber ihr Geschäftsmodell verändert sich. Jahrzehntelang konnten sie im Grunde davon ausgehen, dass eine wachsende Weltwirtschaft auch immer mehr Öl benötigen würde. Künftig könnte die Realität anders aussehen: Die Welt braucht weiterhin sehr viel Öl, versucht aber gleichzeitig ständig, weniger davon abhängig zu werden.
Das ist ein gewaltiger Unterschied. Für die Golfstaaten bedeutet er, dass die nächsten Jahrzehnte entscheidend werden. Gelingt es ihnen, ihre heutigen Öleinnahmen in neue Wirtschaftsbereiche umzuwandeln, können sie auch nach dem Höhepunkt des Ölzeitalters wohlhabende und bedeutende Staaten bleiben. Misslingt diese Transformation, könnten riesige Ölreserven irgendwann deutlich weniger wert sein als heute.
Für Iran ist die Rechnung noch problematischer. Heute kann Teheran mit der Straße von Hormus die Weltwirtschaft erschüttern. In zehn oder zwanzig Jahren könnte diese Macht wesentlich kleiner sein – nicht weil die Welt dann überhaupt kein Öl mehr benötigt, sondern weil Staaten aus der gegenwärtigen Krise Konsequenzen ziehen.
Mehr Pipelines könnten Hormus umgehen, Öl könnte aus unterschiedlichen Regionen kommen, strategische Reserven könnten wachsen und Fahrzeuge immer weniger Benzin benötigen. Gleichzeitig wird mehr Strom im eigenen Land erzeugt, in Batterien gespeichert oder von Kernkraftwerken bereitgestellt. Keine dieser Maßnahmen beseitigt die Abhängigkeit vom Golföl allein. Zusammen können sie sie jedoch erheblich reduzieren.
Darin liegt das große Paradoxon der iranischen Strategie: Je wirkungsvoller die Öl-Waffe heute erscheint, desto größer wird der wirtschaftliche Anreiz für den Rest der Welt, dafür zu sorgen, dass sie morgen nicht mehr funktioniert.
Vielleicht wird deshalb eines Tages ausgerechnet die heutige Krise als ein weiterer Wendepunkt des Ölzeitalters betrachtet werden. Nicht als der Moment, in dem der Welt das Öl ausging, und auch nicht als Beginn eines plötzlichen Abschieds von fossilen Energien. Sondern als der Moment, in dem erneut deutlich wurde, welchen politischen und wirtschaftlichen Preis eine zu große Abhängigkeit vom Öl des Persischen Golfs haben kann.
Iran kann die Welt derzeit zwingen, mehr für Öl zu bezahlen. Doch möglicherweise zwingt er sie damit zugleich, schneller darüber nachzudenken, wie sie künftig weniger davon braucht.

