Mein Facebook-Experiment

Auf Facebook bin ich schon seit dem Jahr 2008, das heisst, fällt mir gerade auf, ich feiere da Zehnjähriges. Wow, wie die Zeit vergeht. Na ja, vielleicht auch genau zu diesem Anlass habe ich jetzt hier mal eine kleine Geschichte zu erzählen, die eben Facebook betrifft, und mich, und meine neue Brille und eine Krankenschwester aus Houston…

Vorgeschichte

Also erst mal vorweg: Brillen.de ist Mist !!! Entsprechend Negatives habe ich bei denen auf Facebook im Kommentar geäußert, jedoch blieb ich da fairerweise ganz sachlich. Trotzdem wurde ich natürlich von denen gesperrt. Weil ich aber doch noch mal einen weiteren Kommentar öffentlich verfassen wollte, legte ich mir einfach einen zweiten Facebook-Account an, mit einem aktuellen Foto von mir und unter meinem richtigen Namen. Muss mich ja nicht verstecken.

Na ja, so gab es mich dann eben zwei mal in den endlosen Weiten von Facebook, einmal mit 116 Freunden, und einmal als einsamster Facebook-Mensch der Welt. Und so stellte ich mir plötzlich aus einer Laune heraus die Frage, was wohl passieren würde, wenn ich jetzt alle möglichen unbekannten Leute ganz dreist anklicke, um ihnen Freundschaftsanfragen zu schicken. Gibt es Menschen, die sie einfach annehmen würden, obwohl sie gar nicht wissen, wer ich bin? Wenn ja, wie viele?
Hey, das ist doch mal ein Experiment…

So begann ich also damit, wahllos alles anzuklicken, was mir so unterkam an Personen, ohne genauer drauf zu achten, wie die sich so darstellen. Wahllos lud ich alle ein, meine neuen Facebookfreunde zu werden, und nach so ungefähr fünfzig Klicks, tat meine Hand weh, und ich lehnte mich zurück, um abzuwarten was passiert…

Kenne ich Dich?

Irgendwann poppte mein Chattfenster auf, und eine Susanne fragte ganz direkt und unvermittelt: „Kenne ich Dich?“.

Ich stellte mich blöd, weil ich ja recht gleichgültig an die Sache herangegangen war, und mir diese neuen Kontakte im Grunde überhaupt nicht wichtig waren: „Das weiss ich jetzt gar nicht… vielleicht sind wir mal im Karstadt aneinander vorbeigelaufen…“.

„Das kann nicht sein, ich wohne auf Mallorca!“

Ui, dachte ich mir, die scheint nicht viel Spaß zu verstehen. Trotzdem wollte ich vermeintlich witzig bleiben: „Ich war 2012 auf Mallorca mit einer Freundin. Dann war es dort…“

Tja, und mit dieser Antwort hatte ich mich dann wohl gnadenlos ins Aus geschossen bei der lieben Susanne. Dabei hätte es doch so schön werden können, Nach ein par weiteren Wortwechseln hätte sie mich sicher auf ihre Finca eingeladen, um mir die Insel zu zeigen – und noch viel mehr.
Naj ja, egal…

Dann aber wurden meine Anfragen von den ersten Facebook-Menschen einfach angenommen, und plötzlich hatte ich zehn Freunde, und durch die wurden mir nun immer neue Leute vorgeschlagen, Freunde von Freunden, so nach dem Motto, wenn Du Hans-Peter kennst, kennst Du möglicherweise auch Norbert Schulte-Ostermann…
Also kurz gesagt, ich klickte eifrig weiter alle an, was das Zeug hielt, solange nur mein Akku hielt.

Oh, schon wieder 6 neue Freunde…

Tja, und schließlich ging es Schlag auf Schlag. Irgendwie schienen alle nun meine Anfragen zu bestätigen, und mein neuer Freundeskreis wuchs und wuchs. Langsam begann ich drauf zu achten, wenn ich da so auswähle, und ich wurde wählerischer. Es sollten keine zu jungen Mädels sein, die sich auf ihren Profilbildern verführerisch geben, und auch Typen, die allzu grimmig dreinschauten und damit irgendwie furchterregend wirkten, fielen nun gnadenlos durch mein Raster. Dafür wählte ich bevorzugt Damen im mittleren Alter oder Herren, die einfach sympathisch aussahen, und mit denen ich auch mal ein Bier trinken gehen würde nach Feierabend in Ritas Kneipe neben Holgers Fahrradgeschäft.

Vermehrt achtete ich inzwischen besonders darauf, nicht mehr auf Bilder von bildschönen, osteuropäischen oder thailändischen Frauen zu klicken, weil die wahrscheinlich gar nicht real waren und mit ihrer Pseudo-Anmache im Chat irgendwas im Schilde zu führen schienen mit alten Lustgreisen wie mir (-;

Aber meistens, wenn sich das Chatfenster öffnete, erreichten mit bunte Sticker mit Willkommens-Geheißen oder ein dickes „Danke, dass Du Dich mit mir verbunden hast“. Mir wurde zugewunken, und ich winkte höflich zurück.
Naja, das war bei dem ganzen Projekt sowieso meine Maxime: Immer höflich bleiben und niemandem vor den Kopf stoßen.

Roy fragte mich unvermittelt und auf Englisch, ob ich Kenia kenne und nannte mich Brother. Aha, er war Afrikaner oder besser gesagt Kenianer. Brav antwortete ich mit nein, woraufhin er mich sofort auf einen Besuch einlud. Dummerweise hatte ich aber am nächsten Tag nicht Frei sondern Nachtdienst. Tja, da kann man nichts machen… Sorry.

Karin fiel nicht gleich mit der Tür ins Haus. Sie fragte mich, wie es mir geht, erzählte, dass sie Österreicherin ist und ließ sich auf einen netten kleinen Talk mit mir ein, bevor sie mir dann einen Kredit anbot, den ich aber dummerweise gerade nicht brauchte.
So frei ich dem Moto: Ok, dann gehe ich halt wieder, schloss sie unser Chatfenster wieder, ließ das Rollo runter und knipste alle Lichter aus.

Das war ok, denn es gab ja noch genügend andere Leute, die mal kurz hallo sagten, Posts von mir mit „Gefällt mir“ quittierten oder mich darum baten, die Seite ihrer Malerfirma oder ihres SPD-Ortsvereins mit „Gefällt mir“ zu bestätigen. Bei einem Dildo-Versand von so einer älteren, dicken Trulla, wollte ich dieser Bitte dann aber doch nicht nachkommen. Das hätte sich nicht so gut gemacht auf meiner Profilseite.

Jedenfalls… bald schon bekam ich sogar selbst immer häufiger Freundschaftsanfragen.
Wie schön, ich ward aufgenommen in einen neuen Kreis von Menschen. Ich war in einem völlig neuen Netzwerk verhaspelt, und es kam mir dabei fast schon so vor, als hätte ich somit auch ein zweites Leben gewonnen. Ein neues Leben mit mittlerweile über 200 neuen Facebook-Freunden um mich herum, die mir alle wohlgesonnen zu sein schienen.

Und dann kam Cynthia

…ihres Zeichens Krankenschwester in Houston, geschieden und sehr lebenshungrig. Unvermittelt fing sie an, mit mir zu chatten, ganz herzlich. Es entwickelte sich eine Unterhaltung, die immer vertrauter wurde, bis sie nach direkt meiner Telefonnummer fragte, weil sie mich sofort anrufen und meine Stimme hören wollte. Ich ruderte erschrocken zurück.

Aber dieses Erlebnis mit Cynthia, was sich danach noch ein paar mal wiederholen sollte mit anderen Frauen, brachte mich zu einem interessanten Fazit: Wer sich bei Singlebörsen im Internet anmeldet und dafür teuer bezahlt, ist selbst Schuld. Es geht auch anders. Facebook bietet sich da als eine riesige Tummelwiese an, und man muss sich als Mann bloß mal ganz geschmeidig zu einer der Millionen einsamen Frauen rüberrollen und nett sein. Dann entwickelt sich schnell eine Unterhaltung und eventuell mehr.

Na ja, ich bin dann mal raus. Brillen. de bekommt noch meinen Kommentar, der sich gewaschen hat, und dann treibe ich die Zahl meiner Facebookfreunde weiter hoch. Mittlerweile bin ich übrigens schon bei 400. Ob ich bei tausend aufhöre? Keine Ahnung…

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