Gedanken zum Einzelhandel

Wir leben in einer traurigen (Einzelhandels-)Zeit. Saturn steht kurz vor der Pleite, Real ist verkauft worden und befindet wohl vor dem Aus, und Hugendubel verkleinert seine Filialen und denkt dabei auch noch, den Kunden gefällt das, wenn sie ihnen nur noch eine Auswahl der vermeintlich besten Bücher in direkt der Filiale präsentieren.

Wie schön war es doch damals, als es noch WOM gab, diese bunten Schallplatten- und CD-Abteilungen in den Hertie-Häusern mit den unzähligen Kopfhörern über den Regalen und der eigenen monatlichen Musikzeitschrift. Hier konnten wir uns stundenlang aufhalten und ganze Musik-Alben durchhören, was für mich immer das Highlight eines Stadtbummels bedeutete.

Die Warenhäuser waren noch richtige Warenhäuser mit vielen Fachabteilungen. Hier bekam man alles, vom Zollstock bis zum Heimcomputer. Damals hatte ich sogar mein Meerschweinchen in einem Warenhaus erworben. Na gut, es lebt nicht mehr, aber das selbe gilt auch für Horten und Hertie. Übriggeblieben sind nur noch Karstadt und Kaufhof, und die tun sich nun zusammen. Erst haben sie eine Abteilung nach der anderen aufgelöst, und dann wunderten sich die Verantwortlichen, dass die Kunden ausbleiben.

In einer Krise befinden sich auch die sog. Großflächen, die riesigen SB-Warenhäuser auf der grünen Wiese. Von Real war ja eben schon die Rede, aber bei diesen Märkten ist es auch nachvollziehbar. In die allermeisten Filialen dieser Kette wurde lange schon nicht mehr investiert. Sie wirken immer noch so wie in den siebziger Jahren. Andere Ketten hingegen machen vor, wie’s geht, und sind dadurch auch immer noch aufstrebend.

Globus besticht durch hauseigene Bäckereien und Metzgereien, die ihre Waren hinter großen Fenstern für die Kunden ersichtlich ähnlich frisch produzieren, die der teure Bäcker oder Metzger um die Ecke, und der große Bruder von Lidl, Kaufland, macht sich beim Kunden beliebt durch günstige Discountpreise bei gleichzeitiger ansprechender Aufwertung seiner Filialen.

Dort wo Warenhäuser schließen, und das werden in nächster Zeit noch einige sein, ziehen oft Innenstadt-Shoppingmalls ein, die es dann wieder richtig machen, indem sie auf ihrer Fläche mit einem möglichst bunten Branchenmix aufwarten. Dann gibt es da wieder (fast) alles zu kaufen, ähnlich wie in dem Warenhaus dort zuvor, als es eben noch ein echtes Warenhaus war…

Ich für meinen Teil werde auch immer ein Fan des Einzelhandels bleiben, und ein Gegner des Online-Shoppings. Ich mag meine erstandenen Waren immer gleich selbst mit nach Hause nehmen, und hasse das Warten auf den Paketboten, der am Ende dann doch nicht klingelt und nur einen dummen Zettel hinterlässt.

Leider bekomme ich aber immer öfter in den Läden gar nicht mehr, was ich gerne hätte, und stehe dort nicht selten frustriert vor leeren oder ausgedünnten Regalen – zumindest beim Saturn um die Ecke, und sonntags, wenn ich wirklich Zeit habe, lässt mich der Einzelhandel bei uns auf der Fußgängerzone nicht einmal rein. Dann muss ich doch wieder im Internet bestellen, und auf den blöden Boten warten, der mich natürlich nie antrifft, auch wenn ich Zuhause bin…