Die unbeliebteste TV-Show der Achtziger

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass es in den frühen 80er-Jahren einen Sketch in der Sendung „Rudis Tagesshow gab, in der ein Lieferwagen Jagd auf unschuldige Passanten machte. Das hatte damals allerdings noch keinen terroristischen Hintergrund. Vielmehr ging es darum, Publikum einzufangen für eine grosse Samstagabendshow, die in jener Zeit sehr unbeliebt war, aber trotz Zuschauerschwund nicht abgesetzt wurde. Die Rede ist hier von der legendären Astro Show mit der feurigen Französin Elisabeth Teissier.

Zwei Jahre lief die Show, die so viele Ausgaben hatte, wie es Sternzeichen gibt, nämlich zwölf. Folglich widmete sich jede Ausgabe einem bestimmten Sternzeichen, und als im Januar 1983 das Sternbild des Steinbocks das große Thema war, fiel nach rund zwei Stunden der letzte Vorhang vor dem noch verbliebenen Publikum.

Neben Madame Teissier moderierte zunächst der Schauspieler Horst Buchholz, bevor er dann nach fünf Folgen vom Österreicher Hans Peter Heinzl abgelöst wurde.

Ich weiss noch, dass meine Mutter diese Show liebte, weil sie sich sehr für Horoskope interessiert hat. Und so haben wir Kids sie eben immer mitangeschaut, und ich fand die dunkle Kulisse mit den leuchtenden Sternen ganz gut, denn sie hatte was von Raumschiff Enterprise. Es gab Kandidaten, die mussten in irgendwelchen Rollenspielen unter Beweis stellen, dass ihr Sternzeichen wirklich dem Klischee entspricht, und immer wieder erzählte die aufreizende Lissbet mit ihrem französischen Akzent irgendwas vom siebten Haus, zweite Tür links oder so.

Die französische Astrologin, die zugleich Mannequin und Schauspielerin war, war wohl auch der heimliche Star der Show. Der Spiegel hatte sie im November 1981 ganz gross auf dem Titelblatt, und Thomas Gottschalk verulkte sie mit braungelockter Perücke in seinem bislang erfolgreichsten Kinofilm (hoffentlich folgen keine weiteren mehr) „Die Supernasen“.

Wäre ich damals schon in der fortgeschrittenen Pubertät gewesen, hätte ich mir sicher sehnlichst gewünscht, dass sie endlich mal im Playboy ihre Hüllen fallen lässt. Stattdessen verschwand sie aber dann ziemlich schnell wieder von der Bildfläche.

Das Leben ging weiter, die Astro Show versank für immer in der tiefsten Versenkung, die man sich vorstellen kann, und der Stern glaubte ein paar Wochen später, auf Hitlers Tagebücher gestoßen zu sein. Ich bin immer noch Jungfrau, also vom Sternzeichen her, und befolge bis heute den guten Rat meiner alten Mom, mich vor Zwillingen fern zu halten, weil diese zwei Persönlichkeiten haben und somit unberechenbar sind. Bleibt nur zu hoffen, dass es bei meiner Freundin und mir keine werden, wenn sich möglicherweise bald Nachwuchs ankündigt…

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