Das unmögliche Möbelhaus aus Schweden

Willkommen in den gelbblauen Möbelhäusern von IKEA, wo jeder Artikel seinen eigenen Namen hat, wie „Duktig“ oder „Kvalificera“ und die Kunden bei regelmäßigen Lautsprecherdurchsagen freundschaftlich geduzt werden.

Hier ist die Welt noch in Ordnung. Junge Paare üben sich im Probesitzen auf bunten Sofas, Familien schieben ihre mit flachen Kartons überladenen Einkaufswagen glücklich Richtung Ausgang und überall krabbeln kleine Kinder ganz entrückt umher, denen das Kinderparadies offenbar zu blöd ist.

Aber nicht alle Leute kommen gezielt zum Einkaufen in den Markt. Es soll tatsächlich auch welche geben, die IKEA nur wegen der preiswerten Kötbullar aufsuchen, die es da im Restaurant gibt.
Wir hingegen kommen meistens zum Bummeln, und manchmal sehen wir was, und dann wird es auch schon mal mitgenommen. Sio haben wir uns auch jüngst in eine schwarze Kücheninsel verliebt, die in unserer Wallauer Filiale in der Küchenabteilung aufgebaut war. Eine gefühlte Ewigkeit bestaunten wir das Teil, und dann meinte ich zu meinem Bruder: „Die nehmen wir mit, oder? Die ist gekauft !!!“. Er nickte überzeugt.

Zu denen gehörten wir diesmal aber nicht. Wir interessierten uns für eine schwarze Kücheninsel, die in unserer Wallauer Filiale ausgestellt ist.
Es war Liebe auf den ersten Blick, und so verkündete ich noch freudig: „Die ist gekauft !!!“.

Mit meinem Smartphone machte ich nun ein Foto von dieser Insel, auf dem auch der Name zu sehen war – „Vadholma“, und dann begaben wir uns zum nächstgelegenen Infostand, um unser Kaufanliegen freundlich vorzutragen.
Der zuständige Mitarbeiter sah in seinem System nach, schluckte kurz, und erklärte uns dann, dass sie diesen Artikel leider gar nicht nicht im Angebot haben, nicht heute und auch nicht in drei Monaten.

„Überhaupt gar nicht ???!!!“, hakte ich nach, und der Mitarbeiter winkte ab. Er rcherchierte noch ein bisschen, und erklärte uns dann: „Sie bekommen diese Insel aber in unseren Häusern in Frankfurt oder Walldorf bei Mannheim !“.

Wir wollten jetzt aber nicht mehr auf große Tour gehen, und so stellten wir eine noch zweite Frage:
„Es gibt in ihrem Katalog noch eine weitere Kücheninsel, eine weiße, „Tornviken“, die ist aber nicht hier ausgestellt. Hätten Sie die denn da?“
Der Mitarbeiter prüfte auch das nach, und konnte das dann freudig bejahen.
„Man kann sie sich aber nicht in echt anschauen…!“, warf ich ein.
„Nein, aufgebaut ist sie bei uns nicht – aus Platzgründen!“.
„Aber die, die sie gar nicht anbieten, die haben Sie aufgebaut. Verkehrte Welt!“.

Die Diskussion machte irgendwann keinen Sinn mehr, und so zogen wir uns zurück und unverrichteter Dinge weiter.

Im Ikea-Restaurant genehmigten wir uns noch Köttbular mit Getränkeflatrate, damit unsere Fahrt zum schwedischen Möbelhaus nicht so ganz umsonst war, und dann entdeckte ich dort bei den Toiletten plötzlich und ganz unvermittelt… – ein PC-Terminal für Kundenfeedback.

Hier konnte ich nun meinen ganzen Unmut loswerden, ich erklärte mein Anliegen und ich beklagte mich mit höflichen Worten darüber, dass der Markt Möbel ausstellt, die er überhaupt nicht verkauft.
In der Hoffnung auf eine interessante Rückantwort gab ich brav meine Email-Adresse an, und na ja und was soll ich sagen, bis heute haben sie sich nicht gemeldet. Die Mühe mit dem Feedback hätte ich mir wohl sparen können.

Aber das Leben geht weiter, wie man so schön sagt, und in unserem Fall nun eben ohne Kücheninsel. Wir sind ja sowieso nicht die großen Köche.
Und was unser leicht gestörtes Verhältnis zu IKEA betrifft: Wir kommen trotzdem gerne wieder, denn neben dem Restaurant mögen wir auch noch den Hotdog-Verkauf und den Schwedenshop.

„Das unmögliche Möbelhaus aus Schweden“. Nie hat dieser alte Slogan aus den Siebziger Jahren besser für uns gepasst als in diesen Tagen.