Erinnerungen

Als wir in Frankfurt noch „Bunt“ gefahren sind

Bis Mai 1995 gab es im Rhein Main Gebiet den FVV, den Frankfurter Verkehrs Verbund, und der hatte am Ende ein geniales System: FahrBunt. Noch heute denke ich manchmal wehmütig daran zurück – mal abgesehen, dass damals die S-Bahn noch im Zwanzig-Minuten-Takt fuhr. Heute verkehren die Linien in die Hessische Landeshauptstadt, wo ich inzwischen wieder Zuhause bin, nur noch halbstündlich.

1995 gab es also diese weitreichende Veränderung. Der FVV wurde abgelöst vom RMV, dem Rhein-Main-Verkehrsverbund, der nun bis Darmstadt und Marburg reicht, und über eine nun äußerst komplizierte Tarifstruktur verfügt. Es gibt Haupttarifgebiete und Übergangstarifgebiete mit Bezeichnungen wie A0 oder A1 oder 65 und verschiedene Preisstufen.

Wie einfach war das bunte Fahren da zuvor mit dem FVV. Gerade mal viel Farben hatte es: Gelb, Grün, Blau und Rot, und jede Farbe stand für ein Gebiet, und so gab es gerade mal ganze vier davon, vier Tarifgebiete. Nur vier.

Gelb umfasste den direkten Frankfurter Stadtbereich. Wer eine gelbe Monatskarte hatte, durfte damit also nur dort mit Bus und Bahn unterwegs sein. Wenn man sich von da hinausbewegte, egal in welche Richtung, gelangte man in das ringförmige grüne Tarifgebiet. Die Monatskarten für diesen erweiterten Bereich waren dann auch entsprechend zweifarbig, also gelb und grün…

Das gelbe Tarifgebiet wurde so vom grünen umschlossen, und das wiederum wurde vom roten umschlossen, wieder ringartig. Wer alle drei Farben auf seiner Monatskarte hatte, der konnte also schon sehr weit fahren im Rhein Main Gebiet, und wie gesagt in alle Richtungen.

Mit der Farbe blau noch dabei, der äußerste ringförmige Bereich, gab es dann keine Beschränkungen mehr. Mit allen vier Farben waren somit alle FVV-Verkehrsmittel bis zu ihren Endstationen befahrbar.

Den damaligen FVV-Tarifübersichtsplan muss man sich einfach vorstellen wie so eine vierfarbige Zielscheibe: Gelber Kern und dann ringförmig drum herum ein grüner, ein roter und außen ein blauer Bereich.

Dieses geniale und einfache System startete mit einem Paukenschlag im Januar 1990, da vereinfachte der FVV sein Tarifsystem wie gerade erklärt, und startete mit seiner großen Werbekampagne „FahrBunt“. Das war damals wirklich DER Schritt in die Zukunft, und ich dachte noch so bei mir: Endlich haben sie’s begriffen…

Na ja, und seit 1995 war’s dann eben wieder vorbei mit dem Begreifen – des komplizierten Tarifwabensystems, eingeführt vom RMV, nachdem der FVV darin übergegangen war.

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