Alter Kapitän

Manchmal stelle ich mir so vor, dass das Leben ein weiter Ozean ist, den ich mit meinem Schiff befahre. Wie ein alter Kapitän, halte ich das Steuer fest in der Hand, und bis heute habe ich schon so manchem Sturm getrotzt, was mich am Ende nur immer erfahrener gemacht hat.

Als alter Kapitän bin ich entspannt, besonnen und zuversichtlich. Den Kurs halten, lautet die Maxime. Der Weg mag weit sein, und die Reise lang, das Ziel aber bleibt immer angepeilt, und dabei übe ich mich in Beharrlichkeit und Geduld. Das ist nun einmal meine Bestimmung.

Meine Mannschaft unterstützt mich. Ich ermutige und bestärke sie, gebe ihr in schweren Stunden Halt, und lasse sie nie im Stich. Wir bleiben unterwegs, und vielleicht kommen wir nie an. Möglicherweise ist der Weg das Ziel.

Die Mannschaft, das sind all die Menschen, die mir nahe stehen. Meine Freunde, meine Familie. Manchmal wechselt sie im Hafen. Dann gehen treue Kameraden von Bord, und neue schließen sich an. So ist das eben bei Besatzungen.

Das Schiff muss immer in gutem Zustand sein, damit es seine Leistung bringen kann, und die Reise nicht vorzeitig endet. Und da das Schiff praktisch mein Körper ist, habe ich mich fit zu halten und einigermaßen gesund zu leben.

Es gibt Statusberichte, die ich regelmäßig mit meiner Mannschaft durchgehe, und Kurs-Festlegungen oder -Korrekturen, die sich nach den Wetterbedingungen richten. Vielleicht sind wir über weite Strecken langsam, weil ich als alter Kapitän für das Schiff verantwortlich bin, und es mit Bedacht führe, aber wir kommen voran, Seemeile um Seemeile, unaufhaltsam, und das hält mich auf der Brücke, der Kommandobrücke meines eigenen Lebens…