Marks Zehner-Liste

Zehn Geschäfte, die es nicht mehr gibt

Hat es nicht was Trauriges, wenn Geschäfte auf der Fußgängerzone oder Märkte auf der sprichwörtlichen grünen Wiese, mit denen wir groß geworden sind, einfach so verschwinden? Gerne erinnern wir uns an sie zurück, manchmal mit etwas Wehmut. Damit sie nicht so ganz in Vergessenheit geraten, sollen zehn von ihnen hier noch einmal kurz beleuchtet werden…

Wertkauf

„Wertkauf hilft sparen“, so lautete der Slogan einer Kette von SB-Warenhäusern, die sich über das ganze Bundesgebiet verteilte – aber nur mit zwanzig Häusern.
Ich selbst hatte übrigens mal das Vergnügen in einem der größeren Stores mit immerhin 37 Kassen, an eben einer solchen zu sitzen. Damals wurde gerade das Pfandsystem für Einkaufswagen eingeführt.

Wertkauf hatte seinen Sitz in Karlsruhe (dort gab es auch das größte SB-Warenhaus der Kette, wirklich beeindruckt groß), und gehörte zu Möbel Mann (heute Mann Mobilia). Als der US-Amerikanische Einzelhandelsriese Wal Mart 1997 nach Deutschland kam, um auch hierzulande eine große Nummer zu werden, gingen alle Wertkauf-Häuser in den Besitz dieses Unternehmens über. Der Name Wertkauf“ verschwand für immer von ihren Fassaden.
Neun Jahre später widerfuhr das allerdings auch den „Wal-Mart“-Schriftzügen…

Eduscho

Eduard Schopf bot bereits in den 1920er Jahren Röstkaffee an, und irgendwann wurde dann eine Kaffeegeschäft-Kette daraus mit dem naheliegenden Namen Eduscho. Neben günstigem Kaffee, den man auch gleich frisch aufgebrüht in der Fililale an Stehtischen trinken konnte, boten die Geschäfte bald auch andere DInge an, wie Fahrräder, Bücher oder sonstige Non-Food-Artikel, und das im Wechsel.
Bekannterweise übernahmen andere Kaffee-Anbieter bald dieses Erfolgsmodell.

Für Eduscho wurden die Zeiten Mitte der Neunziger-Jahre allerdings härter. Das Unternehmen konnte nicht länger gegen seinen stärksten Konkurrenten Tchibo bestehen, und wurde am 1. Januar 1997 von ihm übernommen. Seither ist der Name Eduscho Geschichte.

WOM

Das WOM Geschichte ist, habe ich wohl bis heute nicht verkraftet. WOM war für mich oft der alleinige Grund, ein Hertie-Kaufhaus zu betreten, denn dort befanden sich die großen Schallplattenabteilungen mit den vielen Kopfhörern über den zahlreichen Regalen. Stundenlang harrten wir dort aus, um in alle möglichen und unmöglichen CD’s reinzuhören, und nur selten hatte zumindest ich persönlich nichts im Gepäck bzw. in der Tüte beim verlassen dieser immer wieder eindrucksvollen „World Of Music“. Ah ja… natürlich wurde auch regelmässig die aktuelle Ausgabe des kostenlosen monatlichen Musikmagazins („WOM“) mitgenommen…

WOM verschwand ab 2004 langsam von der Bildfläche, und mit ihm ein wertvolles Stück stationärer Einzelhandel, wie ich finde.

HL-Markt & Minimal

Früher hieß der Supermarkt um die Ecke meist HL-Markt, wobei HL für Hugo Leibbrand stand, dem Gründer dieser Kette. Sein Sohn Willi erschuf dann noch die Discounterkette „Penny-Markt“, die Verbrauchermarkt-Kette „Minimal“ und die SB-Warenhaus-Kette „Toom“.

Der Rewe-Konzern war damals schon an den Leibbrand-Märkten beteiligt. 1989 übernahm er Leibbrand ganz und 2006 benannte er alle Märkte (außer Penny und Toom) in „Rewe“ um. Einige Toom-Märkte wurden im weiteren Verlauf zu „Rewe Center“…

Plus

Bleiben wir bei den Supermärkten… Seit 2010 gibt es auch Plus nicht mehr. Plus war einst die Discounter-Sparte von Tengelmann und wurde zu Netto (ohne Hund).

Plus hatte den Slogan „Prima leben und sparen“, und haben wir nicht wirklich alle prima gelebt und gespart, als es Plus noch gab?

ProMarkt

ProMarkt gab es gleich zweimal. Während die eine Kette zur Kölner Rewe-Group gehörte, wurde die andere Kette von Wegert betrieben, und hatte ihren Sitz in Berlin. Manche Wegert-Filialen liefen unter dem Namen MakroMarkt.

Die großen Märkten mit ihren gelb/schwarzen Schriftzügen boten CD’s, DVD’s, Computer und Unterhaltungselektronik an. Fast jeden meiner Rechner hatte ich damals dort geholt, obwohl in dieser Zeit auch der Discounter Aldi mit seinen sensationell günstigen Medion-PC’s für regen Andrang in seinen Filialen sorgte.

2009 war es dann aber enndgültig vorbei mit den ProMärkten. Sie konnten sich am Ende nicht mehr halten. Einige wurden an Expert verkauft. Andere machten einfach nur zu und standen dann leer, oder wurden zu großen Fahrradgeschäften oder Schuh-Discountern.

Schlecker

2012 ging ein Ruck durch die Republik: Schlecker war Pleite. Noch 2007 war das Unternehmen Marktführer unter den Drogeriemarktketten. Als wegen Managementfehlern die Insolvenz absehbar war, schaffte der Eigentümer Anton Schlecker noch schnell Geld an die Seite. Auf einer Pressekonferenz ließen seine Kinder daraufhin verlauten: „Es ist nichts mehr da“. Sie wanderten ins Gefängnis. Ihr Vater, der sich nie zeigte, kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Das Schlecker-Imperium war zuvor rasant gewachsen. Mitte der Siebziger Jahre ging es los. Überall schossen die Drogeriemärkte mit dem weiß/blauen Schriftzug aus dem Boden, selbst in den kleinsten Orten. Oft waren sie sogar der einzige Nahversorger. So tat später die Schließung der Geschäfte auch vielen Menschen besonders weh, nicht nur den Angestellten…

Praktiker

Bis 2013 gab es neben Obi, Hornbach & Co auch die Baumärkte der Marke Praktiker, die alles noch ein bisschen günstiger verkauften als die Konkurrenz. Wie hieß es in der Werbung immer so schön… „20 % auf alles – außer Tiernahrung“.

Wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit musste auch dieses Unternehmen schließlich Konkurs anmelden.

Toys „R“ Us

Lange hat haben uns die riesigen Spielwaren-Märkte der Kette Toys „R“ Us begleitet, und als die ersten Märkte ab 1987 in Deutschland eröffneten, waren sie regelrechte Magnete für viele Eltern, die sich dort angesichts der riesigen Auswahl an Spielzeug lange mit ihren Kindern aufhalten konnten. Dann begannen aber viele der Geschäfte langsam zu verlottern und wirkten dadurch immer ausladender. Zumindest war das mein Eindruck.

Den größten Toys „R“ Us gab es bis 2015 am Time Square in New York mit einer Verkaufsfläche von 10.200 Quadratmetern mit einem 18 Meter großen Riesenrad im Eingangsbereich. Der ist nun leider genauso Geschichte, wie Toys „R“ Us hierzulande. Unter neuem Namen einer irischen Kette („Smyth“) sind aber alle Spielwarenmärkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz weiterhin offen geblieben…

Vobis

Ok, so ganz verschwunden ist der Name Vobis (noch) nicht. Vereinzelt gibt es wohl noch Läden dieser Kette in Berlin und Ostdeutschland. Aber in den 90er-Jahren waren die zahlreichen Stores des Computerhändlers überall in der Republik zu finden und auch in fast allen Kaufhof-Warenhäusern präsent. Zwischendurch wies das Unternehmen sogar die höchsten Hardware-Verkaufszahlen auf.

Die Rechner, die bei Vobis angeboten wurden hießen „Highscreen“, und einige der Modelle wurden sogar vom Star-Designer Luigi Colanie entworfen.

Die bunten Werbeprospekte von Vobis hießen „Denkzettel“, und nicht selten wurden sie damals auch von mir mit großer Faszination durchblättert. Wer sie sich noch mal anschauen möchte, kann dies auf der Webseite Katzentier.de tatsächlich machen. Hier der Link…

https://katzentier.de/_misc/Vobis/

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